3.5.15

Das Versprechen eines Lebens

Australien, Türkei, USA 2014 (The Water Diviner) Regie: Russell Crowe mit Russell Crowe, Olga Kurylenko, Yilmaz Erdogan, Cem Yilmaz 111 Min.

Eindringlicher Anti-Kriegsfilm, rührendes Familiendrama, nette Romanze und heißer Anwärter auf einen Atatürk-Gedächtnispreis - Russell Crowe gelingt in seiner ersten Regiearbeit fast alles! Auch dank seines zurückhaltend agierenden Hauptdarstellers Russell Crowe. Der ist fünfzehn Jahre später fülliger als der „Gladiator" - doch sein Film sieht richtig gut aus.

Man muss wissen, welche nationale Tragödie sich für Australien und Neuseeland mit dem Namen der Halbinsel Gallipoli verbindet. Der großartig furchtbare Spielfilm „Gallipoli" vom Australier Peter Weir zeigte es mit dem Landsmann Mel Gibson 1981: Hier wurden am Anfang des Ersten Weltkrieges 8700 Australier und 2700 Neuseeländer von ihren englischen Befehlshabern in einer unter den immer sinnlosen, besonders sinnlosen militärischen Aktionen als Kanonenfutter in den türkischen Kugelhagel geschickt.

Drei Söhne des australischen Farmers Joshua Connor (Russell Crowe) gelten seit dem grausamen Morden als „gefallen". Connors Frau, schon längst wegen des Verlustes wahnsinnig, bringt sich vier Jahre später um, was den anscheinend ruhigen und gefestigten Rutengänger in die Türkei reisen lässt. Er versprach der Frau am Grab, die Gebeine der Söhne nach Hause zu holen.

Ein mehrfach unmögliches Unterfangen kurz nach Kriegsende 1919. Allerdings haben wohl erstmals in der menschlichen Kriegsgeschichte die englischen Besetzer dieses Teils des osmanischen Reiches zusammen mit den unterlegenen Türken begonnen, das verwüstete Schlachtfeld aufzugraben, um möglichst viele von zehntausenden Leichen zu identifizieren. Jedoch strickt ohne Anwesenheit von Zivilisten. Doch Connor gewinnt mit stiller Aufrichtigkeit und einem massiven Dickkopf nicht nur das Herz der schönen Witwe Ayshe (Olga Kurylenko) in Istanbul. Er überzeugt auch einen osmanischen Offizier, ihm bei der Suche zu helfen. Dass der Australier tatsächlich die Überreste zweier Söhne so sicher findet, wie sonst seine Wasseradern, ist nur ein erstes Wunder in dieser bewegenden Geschichte.

„The Water Diviner" mit dem sinnfreien deutschen Titel „Das Versprechen eines Lebens" ist ein packendes und erstaunlich gelungenes Regie-Debüt, das die Grauen der Kriege deutlich anklagt. Ein paar Rückblenden zeigen heftige und emotionale Kriegsszenen, die erschüttern müssen. Dazu berührt Kameramann Andrew Lesnie mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen. Die Geschichte spinnt mitreißend ein episches Familien-Drama vor überzeugender historischer Kulisse.

Vor allem aber - für einen neuseeländisch-australischen Regisseur sehr überraschend - erzählt der gelungene Film nebenbei von den Ursprüngen der heutigen Türkei: Die müden Soldaten berichten noch vom Jahrhunderte alten Riesen-Sultanat, in dem immer irgendwo Krieg war. Und während nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg unter englischer Besatzung den Angriffen eines neu erstarkten Griechenlands kaum etwas entgegengesetzt werden kann, beginnt der Aufstieg von Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei. Doch das passt zu dem unvoreingenommen Blick über die Kriegs-Gräben hinweg: Beide Seite zeigen Väter, die ihre Söhne überlebt haben. Was großartig einfühlsam dargestellt wird. Von einem zurückhaltenden Russell Crowe und von Yilmaz Erdogan („Once Upon a Time in Anatolia") in der Rolle des sympathischen Major Hassan.

Die schöne Romanze geriet vielleicht zu leicht und wurde zu reichlich mit Kerzen ausgeleuchtet. Die griechischen Soldaten, die aus der Konkursmasse des Osmanischen Reiches wieder ihr Byzantinisches Großreich zurück erobern wollen, sind als einziger Ausrutscher zu bestialisch dargestellt, während es selbst unter den nicht besonders gelittenen Engländern gute Menschen gibt. Doch verglichen etwa mit dem Murks, den Ryan Gosling mit „Lost River" abliefert, beweist Russell Crowe, dass er in seiner Karriere viel gelernt hat.

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