13.4.15

Run All Night

USA 2015 Regie: Jaume Collet-Serra mit Liam Neeson, Ed Harris, Joel Kinnaman, Boyd Holbrook, Vincent D'Onofrio 114 Min.

Diesmal muss er seinen Sohn retten: Liam Neeson macht quasi im Akkord Action und zeigt dabei auch nach Ende der „96 Hours"-Trilogie keinerlei Verschleißerscheinungen. Seine neue Figur des Killers Jimmy Conlon sieht nach dem Klischee eines verlorenen Trinkers aus: 17 Morde sind eine schwere Schuld, die auch eine Menge Alkohol nicht wegwaschen kann. Doch „Run all Night" bettet diesen alten Sünder in die Freundschaft zweier Männer mit krimineller Vergangenheit ein, von denen einer den Reichtum und der andere die Alpträume auslebt. Und in zwei Vater-Sohn-Geschichten. Mit dem ziemlich unerzogenen, dummen Erben eines Gangster-Imperiums und mit dem besseren Sohn Mike Conlon (Joel Kinnaman), der sich von seinem kriminellen Vater Jimmy losgesagt hat. Doch nun wird Mike Zeuge eines Mordes von Danny Maguire (Boyd Holbrook), des dämlichen Sohnes von Gangsterboss Shawn Maguire (Ed Harris). Jimmy kann seinem Sohn Mike nur das Leben retten, indem er Danny, den Sohn des besten Freundes erschießt.

Nun bleibt Jimmy eine gemeinsame Nacht, um den Sohn aus dieser Falle zu retten. Eine Nacht, in welcher Mike trotz aller Bedrohungen auf der Flucht vor korrupter Polizei und Killern nicht selbst schießen, nicht den gleichen Weg wie der Vater gehen soll. Derweil der anfangs so freundliche, ruhige Patriarch Shawn Maguire im blutigen Racherausch ausrastet. Doch auch Jimmy schraubt seine mörderische Trefferliste noch einmal kräftig nach oben.

„Run All Night" montiert mehrere Erzählstränge schnell nebeneinander, die zusammen eine mörderische und sehr spannende Dynamik entwickeln. Gleichzeitig baut der Action-Film auf sehr, sehr eindrucksvolle Alt-Darsteller und Qualitäts-Mimen, in deren Kreis sich der junge Schwede Joel Kinnaman als Mike Conlon bestens bewährt. Der spanische Regisseur („Non-Stop", „Unknown Identity", „Orphan - Das Waisenkind") macht - in seinem dritten Film mit Liam Neeson - mit seinem deutschen Kameramann Martin Ruhe („The American," „Control") ein paar Sachen reizvoll anders: So geht er bei der Nachricht vom Tode Danny Maguires nicht in emotionale Nachaufnahme der Eltern, sondern entfernt sich, um im nächsten Raum die gerahmten Fotos einer heilen Familie einzufangen. Wogegen später eine Nahaufnahme das Gesicht Neesons mitten in der Action ungewöhnlich lange fixiert. Der Blick eines Killers, der des Mordens müde ist, darf die Leinwand für ein paar Sekunden füllen.

Dass dann ein durchsuchtes Hochhaus gleich in die Luft fliegt, ist hingegen typischer Hollywood-Overkill. Das Drehbuch (Brad Ingelsby) fährt noch einen besonders gefährlichen und motivierten Killer auf und - doch ein Klischee zu viel - einen guten Cop (Vincent D'Onofrio). Im langen Finale gilt: Lieber ein paar Morde zu viel. Zudem kann auch ein Liam Neeson nicht überspielen, dass seine Figur etwas zu positiv für einen rücksichtlosen Killer ist, der zu plötzlich das Richtige tun will.

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