13.4.15

Nur eine Stunde Ruhe!

Frankreich 2014 (Une heure de tranquillité) Regie: Patrice Leconte mit Christian Clavier, Carole Bouquet, Valérie Bonneton, Rossy de Palma, Stéphane De Groodt 80 Min. FSK: ab 0

Selbstverständlich und wenig subtil heißt die Jazz-Rarität „Me, myself und I". Denn selbstbezogen soll er vor allem sein, der reiche Zahnarzt Michel Leproux (Christian Clavier), und egoistisch sein Wunsch, die auf dem Flohmarkt entdeckte Schallplatte gleich in Ruhe zuhause anzuhören. Doch wird der angebliche Egoist nun im Stil einer Boulevard-Komödie durchgehend von rücksichtslosen Menschen bedrängt: Die Geliebte (Nathalie Leproux) will Schluss machen, die Ehefrau (Carole Bouquet) einen Seitensprung gestehen, der beste Freund, der ihn einst mit der Frau betrog, will Geld haben. Der Sohn, ein selbstgerechter, arbeitsscheuer Gutmensch, quartiert asiatische Flüchtlinge ein. Polnisch-portugiesische Schwarzarbeiter setzen per Rohrbruch die Wohnung unter Wasser. Die Hausgemeinschaft fällt unter Anführung des übergriffigen Nachbarn Pavel zu einer Party ein.

Schließlich nimmt Michel selbst die Absage der Geliebten, das Geständnis der Ehefrau und die Erkenntnis, dass sein Sohn nicht seiner ist, freudig als Gelegenheit hin, „das alles in Ruhe zu verarbeiten zu müssen". Also doch endlich seine Platte zu hören!

Das klingt nicht nur nach Boulevard, das ist es unter Vorlage von Florian Zellers gleichnamigem Bühnenstück tatsächlich. Filmisch mit ein paar Orts- und Perspektivwechseln aufgehübscht, aber der sehr geschätzte, 1947 geborene Regisseur Patrice Leconte („Intime Fremde", „Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins", „Das Parfum von Yvonne", „Der Mann der Friseuse", „Die Verlobung des Monsieur Hire") lässt eine vorgebliche Komödien-Stunde lange rätseln: Was soll das? Ein Vorführen der französischen Bourgeoisie, die in ihrem selbstverliebten Kultur-Snobismus völlig den Kontakt zur Realität verloren hat? Zu den Schwarzarbeitern, den illegalen Flüchtlingen in der Zweitwohnung, den eigenen Kindern, der eigenen Frau? Das wäre reichlich platt und auch ebenso verlogen wie Michels Last Minute-Bekehrung zu einem umgänglichen Menschen durch Hexenschuss.

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