20.4.15

Ex Machina (2015)

Großbritannien 2015 Regie: Alex Garland mit Oscar Isaac, Domhnall Gleeson, Alicia Vikander, Sonoya Mizuno 108 Min. FSK: ab 12

Alex Garland, der Autor von „The Beach" und „28 Days Later" feiert sein Regie-Debüt mit einem Crossover aus „Blade Runner" und Ingmar Bergman, mit einer freien Fortsetzung des japanischen
Ex Machina-Zyklus, mit einem gewagten und spannenden Science Fiction der menschlichen Entwicklung.

Der große Karriere-Gewinn des 24-jährigen Programmierers Caleb (Domhnall Gleeson) entwickelt sich bei der ersten Begegnung mit dem charismatischen Konzernchefs Nathan (Oscar Isaac) zu einem seltsamen Männertreff und später zu einem Albtraum. Caleb soll eine Woche lang in einer ablegenden Villa mit angeschlossenem Forschungs-Bunker den Turing-Test an einer neuen Entwicklungsstufe künstlicher Intelligenz durchführen. Die Roboterfrau Ava (Alicia Vikander) ist hinter dicken Glaswänden sein Untersuchungsobjekt. Gleichzeitig wird Caleb vom Schöpfer Nathan beobachtet und getestet. Zwischen Saufgelage und Macho-Gehabe treibt der egozentrische Erfinder von allem, was wir unter Social Media und Fortschritt verstehen, seine Psycho-Spielchen mit dem unsicheren, jungen Nerd.

Ava besteht derweil in sehr persönlichen Begegnungen nicht nur alle Tests, es stellt sich sogar die Frage, ob sie Caleb wirklich liebt oder gekonnt nur diesen Eindruck bei ihm erweckt. Immerhin schafft sie es ja auch, die kurzen Stromausfälle zu provozieren, die unbeobachtet intime Momente in dramatisch roter Notbeleuchtung ermöglichen. Nachdem Caleb entdeckt, was mit Avas Vorgängerinnen passiert ist, will er ihr zur Flucht verhelfen...

„Ex Machina" ist die erste Regie-Arbeit von Alex Garland, dem Autoren von „28 Days Later", „The Beach" oder „Alles, was wir geben mussten". Auch diesmal stammt der äußerst spannende Stoff von ihm. In paradiesische Natur und doch in Glas-Beton-Design eingesperrt, begegnen sich Mensch und Maschine in neugierigem, emotionalem und auch erotischem Abtasten. Das Bild der gefährlich verführerischen Traumfrau, als Gemälde von Klimt noch altmodisch an der Wand, baut sich heutzutage allerdings erschreckend effektiv aus Porno-Suchabfragen zusammen.

Im Grunde geht es um die alte, nun digitalisierte Maschinenangst der Menschen: Werden die Roboter uns ersetzen, gar die besseren Menschen sein? Die Folgen einer zu intelligenten künstlichen Intelligenz und wütender Maschinen kennen wir aus „Terminator" und unendlich differenzierter aus den „Ex Machina"-Animes. Der alles auslöschende Hiroshima-Bomber „Enola gay" schwirrt in dem neuen „Ex Machina" von Alex Garland genauso herum wie Robert Oppenheimers Zitat „Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten" aus der heiligen Schrift des Hinduismus „Bhagavad Gita". Doch um die Hybris des eindrucksvollen und auch lächerlichen Schöpfers Nathan zu verstehen, braucht man nur „Blade Runner" zu kennen.

Das klaustrophobische Labor lässt - dank der sehr, sehr starken Präsenz der drei Hauptdarsteller - ein Kammerspiel um die Zukunft menschlicher Existenz hochkochen. Konstant unter Beobachtung wie im Big Brother-Container. Das ist bestes Philip K. Dick-Gedankengut, mal nicht mit Schwarzenegger oder Harrison Ford auf die Action-Schiene gesetzt, sondern als extrem attraktives, fesselndes Kopf- und Autorenkino umgesetzt. Um eine Ahnung zu bekommen, wie äußerst reizvoll und „cool" Garland dies inszeniert hat, kann man sich den Clip „Killer Dance Moves" im Netz ansehen - oder noch besser direkt ins Kino rennen.

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