27.4.15

Eden (2014)

Frankreich 2014 Regie: Mia Hansen-Løve mit Félix de Givry, Pauline Etienne, Vincent Macaigne 131 Min. FSK: ab 12

„One more time" ... jetzt dazu den Daft Punk-Sound anstimmen und fertig ist die Stimmung für den Flashback zur Geschichte der House-Musik in den Pariser Techno-Clubs der 1990er: Paul (Félix de Givry) ist Anfang 20 und will DJ werden. Mama (Arsinée Khanjian) weiß noch nicht, dass „DG" eigentlich mit J hinten geschrieben wird, und vermutet, ihr Junge sei ob des seltsamen Verhaltens schwul. „Eden" blättert in vereinzelten Szenen wie durch ein Foto- und Hit-Album durch diese Zeit: Die Jungs von Daft Punk gehören zu Pauls Freunden, man bewegt sich in einem realen Kosmos mit Neil Rogers, Paul und seine Gang legt bei einem Festival im New Yorker MoMA ihren Garage-Mix auf.

Zur Zeitstimmung gehören die Atmosphären vor und nach den Raves an geheimen Orten, der mitreißende Rausch der Partys, trotz Handkamera eher distanziert eingefangen, Zeitungsmeldungen über das ach so gefährliche Ecstasy. Anfangs klingt nicht von ungefähr „Promised Land" von Joe Smooth an, es sind paradiesische Versprechungen. Angetrieben bei Paul allerdings vom Koks, wegen dem er auch dauernd pleite ist. Der Tod des Freundes Cyril, die schwierige Beziehung mit der launigen Louise (Pauline Etienne), begleiten den Weg nach unten. Später heißt es auf dem Dance Floor „Tomorrow means nothing at all" - Das Morgen ist egal. An Paul rächt sich diese Lebenshaltung jedoch im zweiten Teil „Lost in Music" bitter mit einem mentalen und finanziellen Zusammenbruch. Hauptdarsteller Paul Vallée bringt eine Melancholie in seine Züge, die an Jake Gyllenhall erinnert.

„Eden" stellt eine exzellente Ergänzung zu Yolande Zaubermans „Lola im Technoland" und Jean-Marc Vallées genialem „Cafe de Flore" mit Vanessa Paradies dar. Schon wegen der Musik und den Club-Szenen ist der Film von Mia Hansen-Løve unbedingt sehenswert. Sie schrieb das Buch zusammen mit ihrem Bruder Sven Hansen-Løve, der als DJ die Zeit aktiv miterlebt hat. Wie immer bei Mia Hansen-Løve erschließt sich der Film nicht direkt über eine Handlungs-Abfolge, über ein „dann, und dann, und später ...". Man kann sich bei ihr treiben lassen, dem „flow" folgen, besonders bei diesem „Eden" mit seiner letztendlichen Vertreibung aus dem Paradies.

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