23.3.15

Zu Ende ist alles erst am Schluss

Frankreich 2014 (Les Souvenirs) Regie: Jean-Paul Rouve mit Michel Blanc, Annie Cordy, Mathieu Spinosi, Chantal Lauby 94 Min. FSK: ab 0

Will man Lebensweisheiten vom Tankwart erfahren? Wahrscheinlich immer noch besser als von Astro-TV und in dieser sehr stillen Komödie „Zu Ende ist alles erst am Schluss" tatsächlich das Wahre! Nach einem Roman von David Foenkinos („Nathalie küsst") sucht ein junger Mann die Richtige und den richtigen Weg für sein Leben. Am Ende sucht er nicht mehr und findet - derartige Geduld belohnt auch der Film.

Romain Esnard (Mathieu Spinosi) kommt zu spät zum Begräbnis - er hat sich zwischen zwei Friedhöfen für den falschen entschieden. Typisch für den jungen Literaten und verhinderten Roman-Schreiber Romain, der auf dem Wartegleis des Lebens erst noch mal in einem Hotel jobbt. Sein Vater Michel (Michel Blanc) jedoch, macht immer genau das Falsche: Der als Pensionär orientierungslose Postbeamte verfrachtet seine frisch verwitwete, 83-jährige Mutter Madeleine (die französische Chanson-Ikone Annie Cordy) bei erster Gelegenheit ins Seniorenheim. Und will von den Brüdern und der Familie noch Bedauern hören, weil er immer alles erledigen muss. Ein Unsympath in Nebenrolle, denn der Film folgt vor allem Romain, der sich blendend mit Oma versteht, Spaß mit seinem Chef im Hotel hat und verzweifelt die Frau sucht, die er beim Begräbnis zufällig traf.

Es sind kleine, undramatische Episoden, bis Madeleine vom Seniorenheim abhaut und heimlich in die Normandie reist. Romain fährt hinterher und plötzlich fügt sich einiges, auch beim Film. Die Geschichte von Omas Flucht 1940 begeistert eine Grundschullehrerin, selbstverständlich klingt Proust an, wenn sich eine Madeleine erinnert. (Hier legt der Originaltitel „Les Souvenirs" auch mehr passende Ernsthaftigkeit an den Tag.) „Zu Ende ist alles erst am Schluss" könnte die Leichtigkeit der Marcel Pagnol-Verfilmung „Das Schloss meiner Mutter" haben, bringt aber nicht dessen Lebensfülle. Dafür einen optimistischen Blick aufs Leben, er ist von Begräbnis zu Begräbnis ein sehr hoffnungsvoller Film. Selbst der tragischen Figur des Vaters, der feige und kleingeistig alles verdrängt, Kaffee aus dem Automaten liebt und sich nur noch über freie Parkplätze vor dem Haus freut, bringt der Film Sympathie entgegen.

Um das Beste aus dem kreativ verhunzten deutschen Filmtitel zu machen: Zum Ende hin, vom Ende her gewinnt „Zu Ende ist alles erst am Schluss" enorm - aber man muss einige Inszenierungs-Längen durchstehen, bis der schöne Schlusssong die ultimative Weisheit erklingen lässt: Habe keine Angst vor dem Glück, es existiert nicht!

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