24.3.15

Verfehlung

BRD 2014 Regie: Gerd Schneider mit Sebastian Blomberg, Kai Schumann, Jan Messutat, Sandra Borgmann 95 Min. FSK: ab 12

„Sie haben was nicht mitgekriegt", so lautet die Kernaussage in diesem Vergewaltigungs-Drama um einen Priester. Sebastian Blomberg macht die unglaubliche Naivität seiner Figur Jakob glaubwürdig, die langsam aber doch wahrnimmt, was sein Freund und was seine Kirche verbrechen.

Drei entspannte junge katholische Priester saufen in der dritten Halbzeit nach dem Fußballspiel: „Jetzt sind wir am Drücker" feiern sie die Beförderung von Oliver (Jan Messutat). Was sie mit ihrer Verantwortung anfangen, riecht allerdings sehr nach altem Kirchenmuff. Für Jakob völlig überraschend wird sein Freund Dominik (Kai Schumann) verhaftet. Der soll in der Jugendfreizeit einen schutzbefohlenen Jungen sexuell angegriffen haben. Jakob, von Hauptdarsteller Blomberg weich und sensibel, aber auch naiv angelegt, sollte eigentlich als Gefängnispfarrer Erfahrung mit Sexualstraftätern haben. Doch als Priester wird er selbst für die hartgesottenen Verbrecher unglaubwürdig. Ausgerechnet sie sagen ihm klar, wie verachtet der Priesterstand mittlerweile ist.

Mit wachsendem Zweifel handelt Jakob, der eigentlich andere Menschen psychologisch betreuen will, weiter ahnungslos. Als Jakob die Tat seines Freundes endlich akzeptieren muss, bricht er unter der Wahrheit zusammen. Ausgerechnet er, der dem Anti-Aggressions-Training seiner Schäfchen beisitzt, sucht die Wahrheit auf dem Fußball-Platz und rempelt den bald wieder freien Dominik brutal um.

Regisseur und Autor Gerd Schneider, der früher selbst Priesteramtskandidat war, zeigt in seinem Spielfilm-Debüt eine „wie Soldaten" eingeschworene Gemeinschaft: „Es ist nicht unsere Aufgabe, zu ermitteln. Wir müssen vergeben." Vor allem den eigenen Leuten, damit die wie bisher weiter machen können. So stellt Oliver in leitender Funktion sich das vor. Auf schockierende Weise versucht er, mit Druck und Geld die Kirche freizukaufen.

„Verfehlung" konzentriert sich auf den naiv guten Jakob, verliert aber auch die Opfer nicht aus den Augen, wie den misshandelten Junge, der sich heimlich ritzt. Das klar angelegte Drama stellt deutliche Positionen auf, die hauptsächlich in intensiven Dialogen gut ausgespielt werden. „Wir sind Brüder" und andere Phrasen im System der Vertuschung machen den Hohn einer Institution klar, die ihre Glaubwürdigkeit längst verloren hat. Dabei ist der mit wenigen „großen" Bildern inszenierte deutsche Film nicht so bitter treffend wie der kroatische „Gott verhüte", kann aber dank gutem Schauspiel und den mittlerweile offensichtlichen Verbrechen packen und erschrecken.

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