24.3.15

Eine neue Freundin

Frankreich 2014 (Une Nouvelle Amie) Regie: François Ozon mit Romain Duris, Anaïs Demoustier, Raphaël Personnaz, Isild Le Besco 108 Min. FSK: ab 12

Seit „Sitcom" (1998) verbreitet François Ozon die schönsten Unruhen im französischen Film: Ob mit dem erotischen Thriller „Swimming Pool" (2003) oder dem feministischen Musical „8 Frauen" (2002). Der Provokation einer Prostituierten in „Jung & schön" (2013) und dem stillen Abschied von „Unter dem Sand" (2000). Nun stürzt er seine Figuren mit „ Eine neue Freundin" in ein ungewöhnliches Dreiecksverhältnis und uns in einen prickelnden Film-Genuss.

Claire ist Lauras Blutsfreundin fürs Leben und das Leben ein großer Fluss eleganter Übergänge: Vom Kindheits-Schwur zum gemeinsamen Jugendflirt, der Hochzeit erst der einen und dann der anderen, wobei die eine da schon schwanger ist. Doch bei der Taufe von Lauras Kind sitzt diese bereits schwerkrank im Rollstuhl. Bald steht ein Begräbnis an und dann - noch dieser unvergleichlich leicht erzählten Vorgeschichte - die große Überraschung während eines spontanen Besuchs Claires (Anaïs Demoustier) beim Witwer: David (Romain Duris) schaukelt sein Kind mit Frauenkleider und Perücke!

Nach dem ersten Schock gefallen Claire Rollenwechsel und Ambiguität sehr. Sie genießt das Shoppen mit ihrer neuen Freundin, die sie Virginia nennt, wird viel lustvoller im Bett mit dem eigenen Mann Gilles (Raphaël Personnaz). Die neue Freundschaft wird so vertraut, dass Claires Erschrecken irgendwann viel heftiger ausfällt, als sie ihre neue Freundin doch noch mal als Mann sieht.

Hauptdarsteller Romain Duris spielt hier mit großer Lust wieder mal eine neue faszinierende Facette seiner mutigen Entwürfe aus, mit denen er beispielsweise in „Mademoiselle Populaire", „L'auberge espagnole" und vor allem in „Gadjo Dilo - Geliebter Fremder" begeisterte. Wie er sich erstmals Lauras Kleider anzieht, macht auch beim Zuschauen enormen Spaß.

Davids Transvestie ist erst jetzt möglich, weil er seiner Frau noch vor der Hochzeit versprochen hatte, sich nie außerhalb des Hauses in Kleidern zu zeigen. Nun trägt er ausgerechnet ihre - weil es das Baby beruhigt, meint er am Anfang noch. Aber nun kann Claire auch die Jungendfreundin Laura - oder zumindest ihre Kleider in ihrem Haus - auf eine ganz andere Weise lieben. Es entsteht ein Verhältnis, aber nicht das Gewöhnliche. Denn so leicht es ist, den Ehemann Gilles zu täuschen, etwas irritierend bleibt das reizende Spiel mit den Geschlechtern doch.

Wieder erfüllt François Ozon nicht nur die Erwartungen, er übertrifft sie auch mit vielen Überraschungen: In einem nordamerikanischen Setting verbindet er die herrliche Ästhetik des klassischen Hollywood mit der Modernität offener und mutiger Geschichten. Da schillert eine Braut im Sarg, immer wieder nimmt Schminken in Großaufnahme das ganze Bild ein, wie eine Diva schreitet Valerie einmal eine Hollywood-Treppe herunter und auch die Musik zitiert munter drauf los.

Im Gegensatz zu Xavier Dolans ähnlich gelagertem, großartigem Drama „Laurence Anyways" spitzt sich bei der neuen Freundin - nach Ruth Rendells Erzählung „The New Girl Friend" - kein Konflikt zu. Im Gegenteil: Bis hin zur einer Wiedergeburt als Frau löst sich alles im Schönen und Märchenhaften auf. Ein wunderbarer Film zum Schwelgen und Träumen.

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