31.3.15

Das blaue Zimmer

Frankreich 2014 (La chambre bleue) Regie: Mathieu Amalric mit Mathieu Amalric, Léa Drucker, Stéphanie Cléau, Laurent Poitrenaux 76 Min.

Dramatische Musik, lustvolle Schreie und eine nüchtere Frage aus dem Off. Die Bilder inniger Umschlingungen setzen sich fort, während ein Verhör Details dieser Affäre offenlegt: Julien Gahyde (Mathieu Amalric) und die attraktive Apothekerin Despierre (Stéphanie Cléau) hatten seit elf Monaten ein außereheliches Verhältnis, sahen sich in der Zeit exakt acht mal in diesem Hotelzimmer mit den blauen Wänden, so lautet die nüchtern kalte Bilanz des Verhör-Protokolls. Im Gegensatz zu den sehr sinnlichen und erotischen Ausschnitten vom nackten Paar, findet sich Julien Gahyde später in einer kalten Gefängniszelle. Scheinbar wurden seine im Rausch der Lust gesprochenen Worte zu ernst genommen - würdest du für immer mit mir zusammen bleiben, wenn mein Ehemann nicht mehr wäre?

„Das blaue Zimmer", die Verfilmung eines uneigentlichen, 50 Jahre alten Krimis von Georges Simenon, erzählt sich über eine enorm faszinierende, wie im Roman nicht chronologische Folge von Ereignissen und Erinnerungen, eine grandiose Montage von Bild- und Tonspur. Mathieu Amalric, sowohl großartiger Schauspieler („Grand Budapest Hotel", „Venus im Pelz", „Ein Quantum Trost") wie Regisseur (beim Burlesque-Ensemble „Tournée"), hält sich bei der Verkörperung des verhaltenen Julien Gahyde zurück. Die ruhige Körperlichkeit vertraut auf das feine Spiel der Mimik. Gahyde tritt Polizisten, in der Haft einem Psychologen und dem Untersuchungsrichter fast regungslos gegenüber, obwohl mittlerweile zwei Leichen für einen großen Skandal sorgten. Selten sah man auch einen Gerichtsprozess impressionistischer und kurzweiliger. Dabei bleibt die Spannung, was genau passiert ist und wer es getan hat, immer präsent. „Das blaue Zimmer" ist großes Kino in kompakter Form: Nur 76 Minuten dauert dieses intensive Drama und wieder zeigt sich, dass Filmkunst nicht von Größe oder Länge abhängt.

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