17.2.15

Jacky im Königreich der Frauen

Frankreich 2013 (Jacky au royaume des filles) Regie: Riad Sattouf mit Vincent Lacoste, Charlotte Gainsbourg, Didier Bourdon, Anémone 87 Min. FSK: ab 12

Ein Königreich der Frauen ... in dem alles genauso bescheuert verläuft wie in der männerdominierten Welt. Das ist die Volksrepublik Bubunne, die von der ärmlichen Bebauung her auch Nord-Korea oder das sozialistische Albanien sein könnte. In der Erb-Diktatur „herrschen" Frauen seit Generationen. Die Männlein müssen sich unter einer knallroten Einheits-Tschador verstecken, am Hals ein Ring, an dem sie paarungsbereit mit einer Hundleine wedeln. Der feuchte Traum all dieser unterdrückten Putzhilfen ist die Thronfolgerin, die Colonelle (Charlotte Gainsbourg) in Uniform auf Pferd oder Panzer. Da sie zur Erbfolge einen Mann braucht, tanzen hunderte Hoffnungsvolle zu Bräutigam-Schau an. Mit Hilfe seines rebellischen Onkels kann das umgekehrte Aschenputtel Jacky (Vincent Lacoste) als Frau verkleidet die von ihm begeisterte Colonelle tatsächlich kennen lernen.

„Jacky im Königreich der Frauen" ist eine detailliert ausgestaltete und ziemlich überzogene Satire: Einiges wirkt arabisch, die weiblichen Schlachtschiffe in Uniform sehen sowjetisch aus. Bubunne hat eine Sprach-Verhunzung mit seltsam verlängerten Worten, eine eigene Schrift, eine unappetitliche Art der Ernährung mit einer Art Kleister, der zäh aus riesigen Wasserhähnen tropft und das Verbot, Gemüse zu essen. Das komödiantische Tempo geben gleich in den ersten Minuten ein paar Hinrichtungen, ein Pony als Orakel und etwas Onanie vor. Treffend in den Überzeichnungen der Satire driftet die Geschichte schon mal in Trash ab, doch dass die Oberen Gemüse verbieten, um es selber zu essen, kommt einem recht bekannt vor. Neben der beherrscht spielenden und etwas unterforderten Charlotte Gainsbourg überzeugen gleich eine ganze Reihe hervorragender französischer Komikerinnen, „herrlich" beispielsweise Valérie Bonneton als Sheriff. Frauen sind ordinär, spucken auf die Straße ... doch weiter oder tiefer geht die Verfilmung des Comics vom ehemaligen Charlie Hebdo-Zeichner Riad Sattouf nicht. Ein netter, nur im Ansatz raffinierter Spaß - mit einer herrlichen Überraschung mitten im Happy End.

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