10.2.15

Inherent Vice - Natürliche Mängel

USA 2014 Regie: Paul Thomas Anderson mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Martin Short, Eric Roberts, Martin Donovan 148 Min.

Wenn Paul Thomas Anderson nach „Boogie Nights", „Punch Drunk Love", „There Will Be Blood" oder „The Master" in seinem siebten Film „Inherent Vice – Natürliche Mängel" als erster überhaupt einen Romans des unverfilmbaren Thomas Pynchon angeht, ist das eine äußerst spannende Unternehmung mit ungewissen Ausgang. Ist es doch ein gerade ein Charakteristikum der vielschichtigen und stilreichen Pynchon-Romane, sich nicht in ein paar Sätzen zusammenfassen zu lassen.

Das zumindest ist Anderson gelungen - man kann die Geschichte des dauerbenebelten Detektives und Arztes Larry „Doc" Sportello (Joaquin Phoenix) recht einfach nacherzählen: Ende der psychedelischen 1960er-Jahre taucht eine Ex von Doc auf und erzählt was von ihrem milliardenschweren Immobilienmakler, dessen Ehefrau ihn mit ihrem Freund kidnappen und in die Klapsmühle stecken will. Bei den Ermittlungen liegt ganz schnell eine Leiche neben dem allseitig unfähigen Doc und sein Lieblings-Feind, der Polizist und neurotische Hippie-Hasser „Bigfoot" Bjornsen (genial: Josh Brolin) macht ich das Leben noch schwerer. Hilfreich ist vor allem die ordentliche und biedere Kifferin und Bett-Freundin Penny Kimball (Reese Witherspoon) bei der Staatsanwaltschaft.

Letztlich schafft es Doc, einen Freund aus einem komplizierten Lebenslauf voller verstrickter Undercover-Jobs und aus einer Nazi-Bikergang rauszuholen. Das verläuft im Film als Gras-vernebelte Zeitgeschichte, denn Anderson ist wieder nahe der 1970er-Jahren aus seinem ersten Erfolg „Boogie Nights" gelandet. Alle sind von Charles Manson verängstigt, das Ende der Hippie-Seligkeit hat begonnen. Auf der Tonspur meldet sich immer mal wieder die Ex neben den Songs der Zeit von beispielsweise Neil Young und dem Soundtrack vom Radiohead Jonny Greenwood.

Nun bleiben am Rand der Geschichte(n) noch haufenweise Figuren übrig und ein sehr entspannter Umgang mit „der Realität". Praktisch ist, dass die allgegenwärtigen Drogen immer als Begründung für surreale Momente herhalten können. Eingerahmt von der berühmten Straße am kalifornischen Strand, an welcher der maximal anonyme Pynchon selbst gewohnt haben soll, finden sich Nazi-Biker, die einen jüdischen Immobilien-Hai schützen, Surfer, Abzocker, Kiffer, Detectives vom Los Angeles Police Department, ein verdeckt ermittelnder Saxofonspieler, eine geheimnisvolle Organisation namens Goldener Fangzahn, die vielleicht auch nur ein paar Zahnärzten zur Steuerhinterziehung dient, und für Pynchon typische astronomische Randbemerkungen. Das hat was von „Big Lebowski" und Hunter S. Thompsons Gonzo verkörpert von Johnny Depp in „Fear and Loathing in Las Vegas". Die Immobilien-Geschäfte lassen an Polanskis „Chinatown" denken. Und wirkt es im Vergleich zur Vielfalt der Pynchon-Texte irritierend übersichtlich. Was vielleicht gut für den Film sein mag, aber dann auch wahrscheinlich der erzählerischen und inhaltlichen Vielfalt des Autors nicht gerecht wird. Es bleibt nebelig.

Vor allem aber ist „Inherent Vice" mit Owen Wilson, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Martin Short, Eric Roberts und Martin Donovan überaus reizvoll besetzt und bereitet zumindest auf vielen Ebenen und in unterschiedlicher Weise großes Sehvergnügen.

Keine Kommentare: