24.2.15

Heute bin ich Samba

Frankreich 2014 Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache mit Omar Sy, Charlotte Gainsbourg, Tahar Rahim, Izïa Higelin 120 Min. FSK: ab 6

Wie wäre es, wenn man „Nymphomanic" mit dem Schwarzen aus dem Rollstuhlfilm paart? Ziemlich platt gesagt, aber jeder weiß Bescheid, was für die Besetzung mit Charlotte Gainsbourg und Omar Sy aus „Ziemlich beste Freunde" spricht. Doch die erste Hälfte der französischen Immigranten-Geschichte „Samba" straft den Zyniker Lügen, bevor ein Happy End alles kaputt macht.

Was für eine Karriere: Anfangen als „Kleine Diebin" und jetzt Sozialarbeit als Beschäftigungstherapie. Charlotte Gainsbourg („Nymphomaniac", „Anleitung zum Träumen") spielt die Karrierefrau Alice, die nach einem Burn Out beurlaubt ist, und deswegen mithilft, Immigranten in Frankreich zu ihrem Aufenthaltsrecht zu verhelfen. Ein graues Mäuschen im Mini Cooper, das trotz der Warnung einer abgebrühten Kollegin Manu (Izïa Higelin) direkt dem ersten Klienten in Abschiebehaft ihre Telefonnummer gibt. Doch auch wenn der Flirt von Samba (Omar Sy) charmant und unübersehbar ist, Alice kapiert es nicht. Auch im weiteren Verlauf gestaltet sich das Kennenlernen vor allem komisch holperig, auch wenn die Situation von Samba überhaupt nicht komisch ist. Zwar entlässt man ihn aus der Haft, allerdings mit der nicht kontrollierten Auflage, sofort das Land zu verlassen. Ab jetzt ist er offiziell ein „Illegaler" und fügt sich murrend den Anweisungen zur Anpassung, die ihm sein Onkel mitgibt: Immer Anzug mit Zeitung unter dem Arm tragen, nie schwarzfahren, die eigene Identität möglichst verleugnen.

Die anfangs einfühlsame Komödie „Heute bin ich Samba" macht auf verschiedene Weisen erstaunlich klar, wie sich ein Leben als Flüchtlinge anfühlt. Die Gegensätze von Abschiebehaft und Luxus-Hotel, in dem ausgerechnet die Ärmsten arbeiten müssen, sind gut gewählt. Damit dies nicht in Larmoyanz abrutscht, gibt es ein paar Tanz- und gute Laune Szenen. Vor allem Sambas neuer „brasilianischer" Freund Wilson (Tahar Rahim, „Le Passé – Das Vergangene") sorgt mit einer heißen Fensterputzer-Nummer vor begeisterten Sekretärinnen für Stimmung. So wie eine Sprechstunde für Flüchtlinge mit einem für die Beteiligten furchtbar anstrengenden Sprachwirrwarr, sehr witzig anzusehen ist. Die Beziehungen zu den Freunden und Kollegen sind lebing gezeichnet, sorgen ihrerseits für Spaß und Anteilnahme.

Charlotte Gainsbourg steht diese Rolle großartig, viel besser als „Nymphomaniac" oder die einseitige Kronprinzessin aus Jacky im Königreich der Frauen". Alices Burn Out-Attacke auf die Kollegen ist ein gelungener Scherz, der über ihren angeblichen exzessiven Sex ein Querverweis auf das kühle Kalkül der Besetzung. Doch dann lässt das Ende den ganzen Film kippen. Von daher gesehen stimmt die ganze Moral, die ganze Haltung Sambas nicht mehr. Aus unerklärlichen Gründen, vielleicht wegen eines Zwangs zum Happy End, stimmt dann eigentlich gar nichts mehr, auch die Abreise von Sambas Onkels erscheint völlig sinnlos. So schafft es der größtenteils gelungene Film am Ende, alle Sympathien und sozialkritischen Ansätze zu verspielen.

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