23.2.15

American Sniper

USA 2014 Regie: Clint Eastwood mit Bradley Cooper, Sienna Miller 132 Min. FSK: ab 16

Clint Eastwood, der Dirty Harry unter den knallharten Kerlen, der Vorreiter des Spaghetti-Western, der mit seiner Regie „Erbarmungslos" dem Rachefilm einen Abgesang bereitete, der seine berittenen Fans mit dem veritablen „Frauenfilm" „Die Brücken am Fluß" schockte. Mal als unabhängiger Bürgermeister von Carmel braver Unterstützer der Zivilgesellschaft, mal gibt er seine Stimme den Liberalen Hollywoods, dann rückt er als Unterstützer der Republikaner recht weit nach rechts. Mittlerweile ist der Schauspieler, Regisseur und Komponist ein ruppiger, alter Herr, der schon mal mit leeren Stühlen redet, aber auch ganz locker ein paar filmische Meisterwerke tief empfundener Mitmenschlichkeit („Gran Torino", „Letters From Iwo Jima") hinlegte. Und nun „American Sniper", nach der Autobiographie des „Tödlichsten Scharfschützen der US-Armee": Eine Stunde lang eine der furchtbarsten Kriegstreibereien seit langem, quasi die Verfilmung der martialischen Bush-Präsidentschaften. Das patriotische Bejubeln eines Massenmörders an der irakischen Bevölkerung. Die in diesem Film nur aus hinterhältigen Attentätern besteht! Wenn es noch Rauchkinos gibt, dies ist ein Grund, viele US-Flaggen in Rauch aufgehen zu lassen.

„American Sniper" ist mehr als ein umstrittener Film. Es ist im besten Falle die zu subtile Demontage eines us-amerikanischen Massenmörders und Nationalhelden sowie des Waffen-Wahns dieses Landes aus Cowboys. Die Biografie von Chris Kyle (Bradley Cooper) beginnt mit einer schwierigen Entscheidung. Während der Scharfschütze im Iran eine Mutter und ihren Sohn im Visier hat, führt die Rückblende zur Ausbildung zum Todesschützen. Schon sein Vater brachte ihm das Abknallen von Tieren bei. Dazu prügelt er seinen Kindern ein Weltbild ein, dass es nur Schafe, Wölfe und Schäferhunde gäbe. Kurz: Schieße oder du wirst erschossen. Extrem religiös und schießwütig, aus diesem Material ist Chris Kyle, der auch nach 9/11 glaubt, die Attentäter können man im Irak jagen und sich deswegen gerne dem Sadismus der Marines-Ausbilder aussetzt.

Nun also unten auf der Straße eine Irakerin und ihr Sohn. Trotz der so tollen Schießkünste gibt hier die Alternative eines Warnschusses nie. Aber die „Wilden", wie Kyle sie alle nennt, haben sowieso immer Böses im Schilde oder eine Granate unter dem Kleid versteckt. So wird Kyle - im Film und auch der echte - nach über 160 Tötungen sagen, er würde keine bereuen.

Erst in der zweiten Stunde zeigt sich, dass Killer Kyle die vier Einsätze im Irak nicht verarbeiten konnte. Er wird zum gepanzerten emotionalen Wracks bis sich sogar seine Frau von ihm trennen will. Ist das schon Warnung vor dem Kriege? Oder war es die Falschmeldung früh im Film, dass es ein Attentat von „Feinden Amerikas" gab, die sich später als stramme Nationalisten herausstellten? Oder soll ein Schlussbild, in dem Kyle auch seinem Sohn wieder das Schießen beibringt, tragisch wirken? Weil es die Erziehung zu Waffe schon bei kleinen Kindern bloßstellt? Im weichem Gegenlicht?

Viel treffender ist die Tatsache, dass Kyle letztlich nicht im Cowboy-Duell von einem hinterhältigen iranischen Scharfschützen erwischt wurde, sondern zuhause von einem anderen traumatisierten Veteranen. Der Prozess gegen seinen vermeintlichen Mörder beginnt gerade.

Bradley Cooper („Valentinstag", „Hangover", „Silver Linings"), eher ein Schönling aus Rom-Coms, spielt den Gewalttäter Chris Kyle und produzierte auch diesen feuchten Traum aller patriotischen Hohlköpfe.
Man muss sehr lange suchen und um die Ecke interpretieren, um dieses hässliche Machwerk der Kriegstreiberei, dieses Hohelied des kalten Mordens nur ein wenig zu verteidigen. Eigentlich sollte jede echte Demokratie diese imperialistische Propaganda mit Verachtung strafen und mal eine Achse des Guten Geschmacks mit islamischen Ländern aufmachen. Denn „American Sniper" ist so schrecklich viel undifferenzierter als etwa Bigelows Irak-Film „Tödliches Kommando - The Hurt Locker", weil Eastwood nur unerträglich einseitig die US-Perspektive zeigt.

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