24.2.15

Als wir träumten

BRD, Frankreich 2015 Regie: Andreas Dresen mit Merlin Rose, Julius Nitschkoff, Marcel Heuperman, Joel Basman, Frederic Haselon, Ruby O. Fee 117 Min. FSK: ab 12

Rico und seine Brüder

Überholen ohne einzuholen, Walther Ulbrichts Parole aus der DDR von 1959 passt trefflich auf einen Film, der vor und nach dem Mauerfall spielt, ohne diesen irgendwie zu zeigen. Fünf Freunde in Leipzig sind dreizehn, als die Geschichte in der DDR beginnt und siebzehn, als sie im neuen Deutschland endet. Sie lassen pionier-bunte Kindheit und die graue Desillusionierung der „Freiheit" nacherleben. Regisseur Andreas Dresen („Halbe Treppe", „Sommer vorm Balkon", „Wolke 9", „Halt auf freier Strecke") verfilmte mit „Als wir träumten" den gleichnamigen Roman von Clemens Meyer. Das Drehbuch schrieb Defa-Legende Wolfgang Kohlhaase („Ich war neunzehn", „Solo Sunny").

In einem heruntergekommenen Kino, in dem sie als Kinder noch „Winnetou 3" erlebten, trifft Dani (Merlin Rose, „Doktorspiele") noch einmal den Junkie Mark (Joel Basman). Der ist auch heruntergekommen und eine schön angelegte Rückblende aus dem Kino erzählt, wie nicht nur diese Freundschaft zerbrach. In der DDR war Rico der Auffällige, der sich aus privaten Gründen gegen die uniforme Erziehung bei den jungen Pionieren wehrt. „Hurra, hurra, die Schule brennt", erklang hier nicht, doch bei der Pionier-Übung in der künstlich verräucherten Schule erhofften sich die Jungs Wiederbelebungs-Küsse der etwas älteren Retterinnen.

Bald springt der Film von der Schulzeit zu den Jugendlichen, „Halbstarke" hätte man sie früher im Westen genannt. Saufen und Vandalismus bestimmt ausführlich das Lebensgefühl. Als Traum eignet sich dann auch ein Underground-Club, der trotz großer Ahnungslosigkeit kurzzeitig erfolgreich ist. Bis die Neonazis, mit denen sich Rico (Julius Nitschkoff) früh anlegte, den Club zertrümmern. Da ist aber auch schon die Freundschaft zerbrochen. Pitbull ((Marcel Heuperman) wurde zum Dealer. Ricos Box-Karriere scheiterte an der eigenen Unbeherrschtheit. Danis Traumfrau (Ruby O. Fee), Sternchen genannt, erweist sich nicht erst als dämliche Stripperin („Hab immer gerne getanzt!") unfreiwillig als Witzfigur und Provokation des Feminismus.

Fünf Freunde und eine verlorene Jugend. Drogen und eine Frauengeschichte bringen die Jungs auseinander. Dabei hat mal nicht die Eingliederung der DDR Schuld, die taucht gar nicht richtig auf. Höchstens in kleinen Unterschieden: Zwischen den Saufgelagen kümmern sich die Jungs noch um eine alte Nachbarin, nicht nur weil es Geld fürs Kohlenschleppen gibt. Eine erste Konfrontation mit Neonazis, die sich um diesen Job betrogen sehen, verweist auf spätere Prügeleien. Aber auch der geschlagenen Hausfrau kommen Rico und seine Freunde zu Hilfe - wenn auch mehr schlecht als recht. Was wie vieles andere einen melancholischen Humor aufleuchten lässt.

Der Debütroman des Leipzigers Clemens Meyer wurde von Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase und Regisseur Andreas Dresen als ein ernüchternder Abgesang an Hoffnung und Zukunft verfilmt. Leider, trotz guter Besetzung, wenig „sexy" oder mitreißend, auch wenn Dresen wieder wichtige Themen aus dem DDR-Nachfolgestaat eindrücklich auf die Leinwand bringt. Er kann vermitteln aber nicht begeistern.

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