5.3.14

Saving Mr. Banks

USA, Großbritannien, Australien 2013 (Saving Mr. Banks) Regie: John Lee Hancock mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Ruth Wilson, Paul Giamatti 131 Min. FSK: ab 0

Zwanzig Jahre lang versuchte Walt Disney, die Rechte an dem Kinderbuch „Mary Poppins" zu bekommen. „Saving Mr. Banks", die humorvolle und rührende Geschichte, wie er schließlich die Autorin P.L. Travers überzeugte, ist im Kern des exzellent inszenierten Films die große Sehnsucht eines kleinen Mädchens nach ihrem zu früh verstorbenen Vater...

1961 sitzt die eigenwillige Schriftstellerin P.L. Travers (Emma Thompson) störrisch in ihrem Londoner Häuschen: Zwar hat sie kein Geld mehr, aber „Geld ist sowieso ein schmutziges Wort". Das Telefon ist abgemeldet, weil es nervt. Vor allem dieser Mr. Disney (Tom Hanks) aus Hollywood, der immer wieder anfragt, ob er „Mary Poppins" den großen Erfolg von Mrs. Travers verfilmen darf. Mit dem Zauberwort „final say", dem Versprechen, dass sie das „letzte Wort" haben werde, fliegt die verschrobene Frau in den Sechzigern schließlich doch zu den Disney-Studios. Vielleicht wird sie zustimmen, aber es soll auf keinen Fall ein Musical werden - „Singen ist frivol" - und sie will es nicht in „silly cartoons" verwandelt sehen.

Nun erlebt der Disney-Club einen grandiosen Kultur-Clash, denn die wortgewandte Britin geht mit den Kreativen um, wie die Gouvernante mit den unartigen Kindern in „Mary Poppins". Doch neben allem Spaß an der spitzzüngigen, abweisenden, verächtlichen und doch liebenswerten alten Schachtel, steckt hinter der vehementen Abwehr von Disneys Ideen, die seine Komponisten (Jason Schwartzman, B.J. Novak) als fröhliche Liedchen über den garstigen Bürokraten Mr. Banks schmettern, mehr als nur „ihr Baby", das sie nicht hergeben will. Mit sehr eleganten Überleitungen verzahnt, liegt allem die Geschichte der Kindheit von Pamela Lynwood Travers zu Grunde, die eigentlich Helen Lynwood Goff hieß und aus Australien stammte. Ihr liebevoller Vater Travers Goff (Colin Farrell) überraschte mit immer neuen, verrückten Geschichten, ruinierte sich aber auch mit einer unstillbaren Leidenschaft für den Alkohol. Nach seinem frühen Tod an einer Lungenkrankheit fand die Tochter nie richtig ins Leben, konnte das geliebte Idol nie loslassen.

Das alles analysiert Walt Disney in einer entscheidenden aber unnötigen Szene beim Tee mit Mrs. Travers, denn gespürt haben wir diese Trauer und Sehnsucht schon längst. Dank des exzellenten Spiels der Drehbuch-Autorin (Oscar 1996 für „Sinn und Sinnlichkeit") und Schauspielerin (Oscar 1993: „Wiedersehen in Howards End") Emma Thompson. Und dank der Inszenierung von John Lee Hancock („Blind Side - Die große Chance" 2009), der die grämende, einsame Frau in der bunten Disney-Welt auf ein ganz einfaches Kinderkarussell setzt und sie erstmals zum Lachen bringt. Der verächtliche Blick für all die Melodien, die uns noch nach Jahrzehnten wohlbekannt sind, weicht der eigenen Rührung und mit einem wahren Dammbruch der Erlösung von selbst auferlegter Schuld bei der großen Film-Premiere.

„Saving Mr. Banks" ist zwei Filme in einem. Und Vorausdeutung zu einem dritten, der Klassiker, Ohrwurm und Allgemeingut ist: „Mary Poppins" mit seinen bekannten Melodien klingt immer wieder an. Dabei folgen Disney im Film und der Disney-Film „Saving Mr. Banks" tatsächlich dem simpel wirkenden Lied-Rezept „Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittre Medizin versüßt, rutscht sie gleich nochmal so gut."

Dass dabei Walt Disney meist als der nette Onkel, als freundlicher Patriarch und väterlicher Freund all seiner Kreativen verharmlost wird, dass Mrs. Travers in Wirklichkeit überhaupt nicht brav oder enthaltsam war und zur Zeit der Filmverhandlungen einen alkoholkranken Adoptivsohn im Londoner Gefängnis hatte, ist eine andere Geschichte. Diese hier ist perfekt und sehr wirkungsvoll erzählt.

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