4.3.14

Grand Budapest Hotel

Großbritannien, BRD 2014 (The Grand Budapest Hotel) Regie: Wes Anderson mit Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody 100 Min. FSK ab 6

Wes Anderson inszenierte bislang mit einer akribischen Besessenheit für göttlich ausgefallene Details Familien-Komödien und -Tragödien im Puppenkasten-Stil, bei dem die Ausstattungen ebenso viel Spaß machten wie schräge Konstellationen und exzentrisches Personal. Nach „Die Royal Tenenbaums" (2002), „Die Tiefseetaucher" (2005) und „Moonrise Kingdom" (2012) spielt er im gleichen Stil, ebenso exzellent, aber nun politisch das Aufkommen des Faschismus im Hotelgewerbe Osteuropas nach. Ein melancholisches Vergnügen!

Schon die dreifache Erinnerung des verschachtelten Rahmens ist hervorragend Geschichte: Vom heutigen Gedenken eines großen Dichters entführt Anderson ins „Grand Budapest Hotel" unter kommunistischer Führung und von da mit einem charismatischen Erzähler (F. Murray Abraham) in den fantastisch fiktiven Ort Nebelsbad des Jahres 1932. Er liegt in Zubrowka, einem Balkan-Alpen-Mix mit vielen lustigen Namen. Die „bezaubernde alte Ruine" des Grand Budapest Hotels lebt durch den legendären Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes), der in perfektem Stil alle Gäste beglückt, vor allem aber die älteren Damen. Als die Gräfin zu Desgolfs und Taxis (Tilda Swinton uralt) stirbt und ihm ein wertvolles Gemälde vermacht, sorgt ihr Sohn Dmitri (Adrien Brody) mit Mord, Intrige und der Hilfe des brutalen Jopling (genial: Willem Dafoe) dafür, dass Gustave im Gefängnis landet. Nach einer spektakulären Flucht unter der Führung des glatzköpfigen Mitinsassen Ludwig (Harvey Keitel im Slapstick-Stil) sucht Gustave gemeinsam mit dem Page Zero Moustafa (Tony Revolori) nach dem verschwundenen Gemälde. Die ultrageheime Loge der Concierges (mit Bill Murray) steht ihnen zur Seite in der turbulenten und für Anderson ungewöhnlich spannenden Geschichte.

Während der ganzen Reihe rasanter Abläufe drohen an den Grenzen von Zubrowka die grauen Truppen der Zig-Zag-Division (ZZ oder SS), die im Lutz-Blitzkrieg schließlich auch das Grand Budapest Hotel übernehmen. Wie sie sich hirnlose Schießereien auf den Galerien liefern, wie sie mit dumpfen Desinteresse hinrichten und mit naturgegebener Lust Gewalt ausüben, ist eine der seltsamsten und treffendsten Faschismus-Darstellungen in der Unterhaltungs-Branche. Irgendwo im weiten Feld zwischen dem Comic „Maus" von Art Spiegelman und „To be or not to be" von Ernst Lubitsch könnte man „The Grand Budapest Hotel" verorten.

Wes Anderson erzählt, nach eigenen Angaben inspiriert von Stefan Zweigs Schriften (unter anderem „Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers"), wieder umwerfend komisch, sogar noch wenn Monsieur Gustave seine Mörder äußerst höflich begrüßt: "Sehr erfreut Sie zu treffen! Sie sind der erste Vertreter der berühmten Todesschwadronen, den ich kennenlerne." Doch wie treffend der texanische Kulturmensch diese europäische Katastrophe erfasst, zeigt die tiefe Wehmut angesichts eines Verlustes von Anstand und Menschlichkeit, welche dieser außergewöhnliche Film nach viel Spaß hinterlässt.

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