24.2.14

Jack Ryan: Shadow Recruit

USA, Russland 2014 (Jack Ryan: Shadow Recruit) Regie: Kenneth Branagh mit Chris Pine, Keira Knightley, Kevin Costner, Kenneth Branagh 105 Min. FSK ab 12

Wenn die Hintergründe spannender sind als der eigentliche Film, ist das nicht ideal - besonders bei einem Thriller. Nach zwölf Jahren gibt es wieder einen Film mit der Tom Clancy-Figur Jack Ryan. Ist dies nun ein Comeback, ein Remake oder nur Etikettenschwindel? Von allem etwas, denn wohlgemerkt gab es als Vorlage keinen Roman von Tom Clancy. „Jack Ryan: Shadow Recruit" entstand nach Motiven des Autors. Allerdings mit Hilfe von Star-Schreiber David Koepp (zuletzt „Indiana Jones IV").

Und um es noch spannender, oder komplexer zu machen: Der CIA-Agent Jack Ryan wird zwar vor und während seines ersten Falls gezeigt, doch zeitgeschichtlich spielt sich alles eindeutig nach seinen bisherigen Auftritten ab. Aber da nach Ben Affleck („Der Anschlag"), Harrison Ford („Die Stunde des Patrioten" und „Das Kartell") und Alec Baldwin („Jagd auf Roter Oktober") nun mit Chris Pine der junge Captain Kirk die Titel-Rolle übernimmt, wird all diese Verwirrung dank Zeitmaschine ganz übersichtlich.

Der russische Oligarch Viktor Cherevin (Kenneth Branagh) plant einen Terroranschlag auf die amerikanische Wirtschaft, den er so sicher im Kino gesehen hat. CIA-Offizier William Harper (Kevin Costner, sehr gelassen und eindrucksvoll) schickt Jack Ryan (Chris Pine) nach Moskau, denn der Ex-Soldat arbeitet Undercover-Agent an der Wall Street. Zwar will Ryan nach einem Afghanistan-Abschuss nie mehr vom Schreibtisch-Job als Analyst weg. Doch scheinbar hat er besondere Qualitäten, er kann beispielsweise ein achtstelliges Passwort fehlerfrei eingeben.

Probleme macht zuerst ein Auftragsmörder und dann Ryans Freundin Cathy (Keira Knightley) mit ganz banaler Eifersucht. Wie sie ihm hinterher reist und ihn dann glücklich umarmt, weil er keine Geliebte hat, sondern nur bei der CIA ist, hat Komödien-Qualitäten. Dass sie dann in einer äußerst geschickt gespielten Aktion Cherevin beim Abendessen beschäftigt, während Ryan gegenüber umständlich in ein Gebäude und einen Computer einbricht, belastet die Glaubwürdigkeit stark. Ist der Agentenjob so banal, dass Quereinsteiger ohne Vorbereitung mitmachen können?

Scheinbar, denn auch beim Rest macht Ryan nicht viel Eindruck. Recht wenige Spannungs- und Action-Momente sind über den Film verteilt, das Niveau ist eher unterdurchschnittlich. Am besten kommt der Film noch weg, wenn er eine lange Verfolgungsjagd durch die Straßen Moskaus mit intensivem Kammerspiel kombiniert, bei dem die schöne Cathy vom biestigen Oligarchen bedroht wird. Schauspieler Branagh will den skrupellosen und tragischen Kulturmenschen geben, war aber früher bei den Klassikern um Welten besser. Wenn man unter einem Klassiker nicht eine Figur von Tom Clancy, sondern eher einen Stoff von Shakespeare versteht.

James T. Kirk-Darsteller Chris Pine tut beim ersten Mord Ryan, den der nicht in Soldaten-Uniform begeht, kurz so schockiert, wie es ein richtiger Mensch sein sollte. Doch später bekommt er selbstverständlich wieder Superman- und Super-Agenten-Eigenschaften, wenn es mit dem Moped erneut auf Verfolgungsjagd - diesmal in den Straßen New Yorks - geht. Da übersteht er einen Auffahrunfall ohne Helm oder Kratzer, um sich darauf munter mit einem erfahrenen Berufskiller zu prügeln, während die übliche Bombe tickt.

Zudem ist das Timing äußerst ungeschickt: Ein Krimi über böse Russen kann nach dieser Olympiade und den anderen unfassbaren Verbrechen an der Demokratie kaum noch beeindrucken. Die alten Bösen und fiktionale Wirtschafts- und Börsen-Betrügereien, die gegenüber der realen Abzocke realer Banken reine Portokassen-Nummern sind, reißen genau so wenig vom Stuhl wie dieser altmodische Agent mit jungem Gesicht.

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