4.2.14

Free Birds

USA 2013 Regie: Jimmy Hayward 91 Min. FSK: ab 6

Wenn man einen Truthahn in rauchende und blitzende Zeitmaschinen a la „Zurück in die Zukunft" steckt, müsste eigentlich ein deftiger Braten rauskommen. In der ungelenken Animation „Free Birds" nach einem Drehbuch der Kevin Smith Mitarbeiter Jimmy Hayward und Scott Mosier erfährt man hingegen, wie ein besonders cleverer Truthahn zurück in die Zeit reist, um das Massenschlachten an seiner Art zu Thanksgiving zu verhindern. Ein paar weitere nette Ideen reichen leider nicht aus, um bei den Trickfilm-Schwergewichten im Hahnen-Kampf mitzumachen.

Reggie ist ein mit Intelligenz begnadeter Truthahn – im Gegensatz zu den lächerlich dummen Kollegen auf der Farm. So bleibt der freundlicherweise mit blauem Kopf unterscheidbare Außenseiter ein Einzelgänger, bis er tatsächlich begnadigt wird. Die Tochter des US-Präsidenten wählt ihn für das alljährliche Ritual der Tier-Amnestie aus und aus Reggie wird ein fliegender Truthahn, der mit dem mit Hubschrauber zur Sommer-Rezidenz Camp David düst. Dort erwartet ihn ein gemütlicher Lebensabend. Er sieht fern, bestellt selbst Pizza und dann mit der vom Präsidenten gemopsten Fernbedienung – mit Laserstrahl! - noch mehr Pizza. Bis Jake auftaucht, ein simpler, muskelbepackter Truthahn mit einer Mission. Das Mitglied der Truthahn-Befreiungs-Armee soll Reggie im Auftrag des Großen Truthahns zu einer geheimen Zeitmaschine und dann ins Jahr 1621 bringen. Drei Tage bevor Thanksgiving erstmals mit Truthahn-Braten gefeiert wurde.

Wenn ein dämlicher Geheimagent mit Erinnerungsproblemen in einer Scheune nach Zeitmaschinen sucht und Reggie das skeptisch kommentiert, blitzen sofort Bilder aus „Ich einfach unverbesserlich" auf. Doch „Free Birds" spielt auch eine Legeklasse tiefer als Nick Park und Peter Lord mit ihrem Stop-Motion-Animationsfilm „Chicken Run" im gleichen Genre des Gefängnis-Geflügels. Die kantige Animation nicht nur bei der Hauptfigur stört zunehmend. Die Einfallslosigkeit in der Charakterzeichnung drückt sich darin aus, dass Reggie vor allem einen blauen Kopf hat, Jake hauptsächlich groß ist und auch im Weiteren eher die groben Formen variieren, als dass Feinzeichnung praktiziert wurde.

Vom Zeitreisen-Ei Steve in den November 1621 transportiert, treffen Reggie und Jake auf einen wilden Truthahn-Stamm, eine intelligente und pazifistische Mischung aus Indianer und den Na'vi von Camerons „Avatar". Wenn die raffinierten Truthahn-Tricks auf der Flucht vor den Siedlern einer Angriffstaktik weichen („Die Freiheit der Keule am Hindukusch verteidigen") kann nur noch eines den Frieden zwischen Farmern, Indianern und der Kreatur retten: Pizza für alle. Diese gleichzeitig (teil-) vegetarische Lösung malt man sich jedoch nur als beabsichtige Aussage aus, weil der Film selbst zu wenig ausmalt.

So punktet etwa am Rande die kleine Präsidenten-Tochter viel mehr, wenn sie über die ganze Entourage Papas die Wahrheit verrät. Und auch der wahnsinnige Verteidigungsminister der USA hat mehr Mimik als eine ganze Geflügelzucht. Jimmy Hayward und Scott Mosier, Drehbuchautoren aus dem Umfeld von Kevin Smith, schreibt man gerne die Idee einer TV-Fernbedienung zu, die auf Knopfdruck Pizza bestellt. Ansonsten inszenierte Regisseur Hayward mehr Ideen als gelungene Ausführung. Auf die Originalstimmen von Owen Wilson und Woody Harrelson muss man ebenfalls verzichten in diesem halbgaren Trickfilm-Spaß.

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