21.1.14

Hannas Reise

BRD, Israel 2013 Regie: Julia von Heinz mit Karoline Schuch, Doron Amit, Max Mauff 100 Min. FSK: ab 0

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und uns fragen, was haben eigentlich unsere Großeltern damals gemacht. In Variation des „Reckoning Song" von Asaf Avidan, der in Vor- und Abspann angespielt wird, schickt Regisseurin Julia von Heinz (nach Theresa Bäuerleins Roman „Das war der gute Teil des Tages") eine auf Karriere gebügelte BWL-Opportunistin aus Berlin in ein israelisches Behindertenheim. Das sollte eigentlich nur im Lebenslauf stehen, aber da ihre Mama keine Verbindungen ins gelobte Land (aus-) spielen lässt, muss Hanna (Karoline Schuch) da durch: „Das mit Juden kommt halt immer gut, behinderte Juden zählen doppelt." Während der israelische Kollege Itay (Doron Amit) mit entspannten Holocaust-Scherzen erst die Positionen und dann ihren Kopf verdreht, begegnet Hanna beim obligatorischen Besuch eines Holocaust-Überlebenden dem eigenen, schwierigen Verhältnis zur Mutter. Phrasen wie historische Verantwortung finden hier nett ausgeleuchtete Bilder, die Friedensaktivisten deklinieren Israel-Haltungen durch und der Film will dann auch noch die angespannte Situation des Landes zwischen den Fronten sowie zwischen gestern und heute vermitteln.

Die notwendige Frage, was die Eltern „in der Nazi-Zeit" getan haben, wandelt sich zum Nachfragen, weshalb die eigenen Eltern gegen die ihre revoltiert haben. Dabei gibt Hannas Freund Alex eine beschränkte Karikatur, die sich am Strand von Tel Aviv fragt, „ob das hier eigentlich alles Juden sind?" Derweil beschäftigt Hanna eine andere Liebesgeschichte, die auch in der Erzählung holperig verläuft. Die Hauptdarstellerin Karoline Schuch treibt ihre Reserviertheit vielleicht etwas zu weit, der Film hätte in seinen Vorhaben zurückhaltender sein können.

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