7.1.14

All is lost

USA 2013 (All is lost) Regie: J.C. Chandor mit Robert Redford 106 Min. FSK: ab 6

Der alte Mann Redford und das Meer halten einen in J. C. Chandors Ein-Mann-Drama „All is lost" für fast zwei Stunden gefangen: Das Drama eines einsamen Hochseeseglers, der zuerst von einem herumtreibenden Container gerammt, dann von einem heftigen Sturm in die Mangel genommen und schließlich auf eine Rettungsinsel flüchtet, ist ein durch und durch gelungenes Stück eigentlich unwahrscheinlichen Kinos.

1700 Meilen vom nächsten Stückchen Land, also so mitten im Indischen Ozean, wie man es sich schwer vorstellen kann, segelt ein alter Mann. Der Abschied von der Familie liegt acht Tage zurück, da kracht ein verwaister Container voller Kinderschuhe in das Boot. Diese eigentlich absurde Situation eines ungleichen Zusammenstoßes im Nirgendwo fängt der aus dem Schlaf im kniehohen Wasser erwachende Skipper mit einer erstaunlichen Ruhe auf. Auch der Film macht jetzt nicht auf Drama oder Panik, die Tonspur hält sich extrem zurück. Man darf dem sichtlich erfahrenen Seemann beim Denken und Handeln zusehen. Dabei verzichtet „All is lost" bis auf eine, eindrucksvolle Ausnahme komplett auf Sprache. Wir hören also nicht wie bei John Sturges' Klassiker „Der alte Mann und das Meer" (1958 nach einem Roman von Ernest Hemingway) die Gedanken des einsamen Kämpfers. Dafür sehen wir die sicheren Handgriffe, die das große Loch in der Schiffswand provisorisch mit Kunstharz flicken und ohne dass dauernd Haiflossen umherschwimmen (die kommen später), ist diese fast dokumentarische Nähe am Agieren fesselnd.

Rechtzeitig vor einem herannahenden Sturm, den man auch ohne die abgesoffenen Navigationshilfen nicht übersehen kann, ist wieder klar Schiff und noch Zeit sich zu rasieren. Im Kino sollte man sich jetzt anschnallen, denn nach einer veritablen Eskimorolle mit einer Zwölf-Meter-Jacht bewundert man Robert Redford nicht nur für sein schauspielerisches Können in dieser Solonummer, sondern auch für den extremen Einsatz des 76-Jährigen im Wassertank. Regisseur J.C. Chandor („Der große Crash - Margin Call" , 2011) manövrierte den Film mittlerweile in einen Hurrikan der Hochspannung, und dass ganz ohne billige Dramaturgie-Kniffe.

Das schließlich sinkende Schiff tauscht der Kapitän gegen eine Rettungsinsel und auch bald steht er mit der kopf. Mit einer immer erstaunlicheren Ruhe, in die sich nur langsam ängstliche Blicke schleichen, navigiert der alte Mann mit schnell angelesenem Wissen und Behelfs-Sextanten zu den einzigen Schifffahrtslinien weit und breit. Am Ende fackelt er sogar sein Rettungsboot ab, aber die Hoffnung geht zuletzt unter...

„All is lost" begeistert mit der geballten Schauspielkunst von Robert Redford und immer wieder unaufdringlich wechselnden Kameraperspektiven. Die Unterwasser-Bilder sind zwar nicht poetisch wie bei Ang Lees „Schiffbruch mit Tiger", aber auch auf ihre Art packend. J.C. Chandor war 2012 mit „Der Große Crash – Margin Call" für das Beste Original-Drehbuch Oscar-nominiert. Diesmal weiß man gar nicht, was besser ist: Das mutige und konsequente Buch oder die gegen alle elementaren Gefahren eines Ein-Personen-Stücks bravourös gelungene Inszenierung. Im Vergleich zu „Zwei vom alten Schlag", der im Kino nebenan läuft, ein herausragendes Alterswerk.

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