24.1.12

The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

USA 2011 (The Descendants) Regie: Alexander Payne mit George Clooney, Shailene Woodley, Amara Miller 115 Min.

Man kann sich diesem Film als Fan von Alexander Payne nähern - oder als jemand, der bei der Kaffee-Werbung Lust auf noch einen Film von George Clooney bekommen hat. Payne hat (neben dem Buch zu Adam Sandlers „Chuck und Larry"!) mit den erwachsenen Komödien „Sideways" (2004 mit Paul Giamatti als Weintester) und „About Schmidt" (2002 mit Jack Nicholson als Neben-die-Schüssel-Pinkler) begeistert. Figuren, die in ihrer schrulligen Tragik wieder komisch sind, hat man derart nicht oft zuvor auf der Leinwand gesehen. Nun reiht sich Clooney bei den Payne-Darstellern ein und sorgt direkt mit einem nicht ganz passenden Hawaii-Hemd für erwartete Abseitigkeit.

Matt King (George Clooney) darf als Bewohner einer der Traum-Inseln Hawaiis durchaus die gleichnamigen Hemden tragen, nur gäbe es echt schönere und auch die Frisur ist weit von glamourös entfernt. Desillusionierend ebenso die Ansage Matts auf der (eifrig benutzten) Tonspur, er habe seit 15 Jahren nicht mehr auf einem Surfbrett gestanden, man solle sich das Leben hier nicht als Dauerurlaub vorstellen. Denn er verwaltet als einer von vielen Erben der Urbevölkerung federführend eine schwerreiche Familien-Stiftung, auch wenn keiner aus dem King-Clan irgendwie nach Geld aussieht. Dass gerade die Entscheidung ansteht, ob Matt und all seine Cousins ein wunderbares Stück Land für ein Golf-Resort hingeben, wird nebensächlich, als seine Frau bei einem Schnellboot-Rennen verunglückt und im Koma liegt. Der Anwalt muss sich um seine beiden Töchter kümmern, die schwer pubertierend (die ältere Alexandra) und verstört (die kleine Scottie) sind. Dabei ist er als Vater fast so albern, wie als gehörnter Gatte in dem Moment, als er von der Affäre seiner Frau erfährt: Mit Schlappen schlurft er wütend rennend zu den Freunden ein paar Straßen weiter. (Das sieht so unmöglich aus, wie es klingt!) Die wussten auch alles. Nun machen sich Vater und Töchter auf, um den Liebhaber (Matthew Lillard) auf einer Nachbarinsel zu finden. Im Gepäck ist Alex' volldebiler Freund, dessen Anwesenheit sich erst später sehr schön erklärt. In der gemeinsamen Verschwörung kommt Matt seiner abweisenden Tochter Alex langsam näher. Wie er zu seiner Frau, deren lebensverlängernde Maschinen abgestellt werden sollen, und zu dem Erbe seiner Vorfahren steht, wird sich entwickeln.

Das Wichtigste zuerst: Clooney gewinnt in der ungewohnten Rolle durchaus Sympathien, kann auch dieser untypischen und wenig glamourösen Figur Substanz und Tiefe geben. Auf den ersten Blick ist der neue Payne allerdings nicht so witzig, nicht so berührend und auch nicht so gut besetzt oder sogar nicht so gut gespielt wie seine Vorgänger. Was Alexander Payne jedoch über seine stille und unspektakuläre Geschichte an menschlichen Werten transportiert, merkt man erst zum Ende. „The Descendants" (Bindestrich und ein wiedermal unglaublich bescheuerter, deutscher Titel-Wurmfortsatz) ist ein nachhaltiger Film, im doppelten Sinne. Nicht nur mit der hawaiianischen Musik kann Payne das spezielle Leben auf den Inseln spürbar machen. In der sehr berührenden Wertschätzung einer unvergleichlichen Landschaft und dem Versuch, sie zu erhalten, ist die Geschichte dann wieder sehr universell.

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