20.12.11

Sarahs Schlüssel

Frankreich 2010 (Elle s'appelait Sarah) Regie: Gilles Paquet-Brenner mit Kristin Scott Thomas, Mélusine Mayance, Niels Arestrup, Frédéric Pierrot, Michel Duchaussoy 104 Min.

Die Deportation von Zehntausenden Juden durch die Mithilfe der Pariser Polizei am 16. und 17. Juli 1942, „La Rafle" genannt, war schon Thema des Films „Die Kinder von Paris". Diese Kollaboration ist also nicht ein „Ein Geheimnis" wie im ähnlich gelagerten Film von Claude Miller. Regisseur Gilles Paquet-Brenner schickt in der Bearbeitung des gleichnamigen Romans von Tatiana de Rosnay die bekannte Schauspielerin Kristin Scott Thomas („Der englische Patient") als Journalistin Julia Jarmond auf die Suche nach einer düsteren Vergangenheit. Als ihr Mann die Wohnung seiner Großeltern für das Paar renovieren will, zeigt sich, dass diese Nachmieter einer gerade deportierten jüdischen Familie waren. Die Tochter Sarah versteckte damals ihren kleinen Bruder geistesgegenwärtig im Wandschrank, doch niemand rechnete damit, dass ganze Familien in einem Radstadion und später in Lagern festgehalten wurden, bevor viele von ihnen umgebracht wurden. Sarah kann zwar fliehen und sich unter Bauern verstecken, aber ihren Bruder nicht retten. Die Schuld zerstört auch ihr Leben.

Diese dramatische Geschichte wird scheinbar unvermittelt mit den heutigen Problemen von Julia montiert, die spät schwanger wird und deren überarbeiteter Mann nicht noch ein Kind will. Dabei bleibt Julias Motivation für ihre obsessive Suche schwer verständlich. Zwar wird bei dieser französische Vergangenheitsbewältigung klar, dass viele Leute eine Leiche im Keller oder im Wandschrank haben, dass es viele Arten gibt, von Krieg Vertreibung und Völkermord zu profitieren, sei es mit florierender Waffen-Industrie oder mit einer neuen Wohnung. Dass der vielleicht nicht geeignete Partner nun sogar noch solche Profiteure als Großeltern hat, ist zuviel des Schlechten. Auch wenn Julia sich vom Leid der Opfer selbst in dritter Generation emotional angezogen fühlt, wirkt das befremdlich. So verlieren (sich) die erschütternden Szenen aus Stadion und Lager in einer ansonsten inhaltlich und auch im Verlauf zerfaserten Rahmenhandlung. Da kann auch die ansonsten zu mehr Ausdruck fähige Kristin Scott Thomas nichts mehr retten.

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