6.12.11

Michel Petrucciani - Leben gegen die Zeit

Frankreich, Italien, BRD 2011 (Michel Petrucciani) Regie: Michael Radford 103 Min. FSK: o.A.

Auch wer nicht mit der Jazz-Szene vertraut ist, hat in vielleicht mal bei Roger Willemsen in dessen Sendung gesehen: Michel Petrucciani (1962 - 1999) war ein genialer Pianist, der auf Pierre Lachaise neben Chopin begraben liegt. Obwohl er mit der Glasknochenkrankheit geboren wurde und nicht einmal ein Meter groß war, wollte er ein großer Pianist werden. Das Spielzeugpiano, das ihm der Vater, ein Musik- und Jazz-Fan, schenkte, zerschmetterte das Kind wütend. Er brach sich dauernd alle möglichen Knochen, auch später während seiner Konzerte, aber machte und spielte immer weiter.

Petrucciani wollte nie Zeit verlieren, in seiner Karriere, bei den Frauen und auch im ausschweifenden Genuss. Der Franzose lernte schnell Englisch, hatte mit 13 seinen ersten Auftritt, spielte mit dem berühmten Trompeter Clark Terry und zog 1982 nach Kalifornien zu Charles Lloyd. Die Karriere ist unvergleichlich, der Mensch dahinter faszinierend ambivalent. Selbstsicher bis zur Arroganz, jähzornig, eigenwillig, frauenverschleißend und genial. „My foolish Thing" wäre er als Jazz-Standard, meint er selbst. Vor seinem frühen Tod, an dem er selbst kräftig mitarbeitete, äußerte er seinen größten Wunsch: Am Strand spazieren mit einer Frau neben ihm!

Diese faszinierende Dokumentation über einen unglaublichen Menschen stammt von „Postino"-Regisseur Michael Radford. Roger Willemsen, den wir oft bei Interviews und als Freund sehen, hatte hinter den Kulissen auch großen Anteil an diesem sehr sehenswerten Film.

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