5.12.11

Der gestiefelte Kater (2011)

USA, 2011 (Puss in Boots) Regie: Chris Miller 90 Min. FSK o.A.

Kater entlaufen! Braunes Fell, Stiefel, Schwert und Hut. Bitte abzugeben bei Familie Shrek im Wald. Er ist klein und wird verlacht. Der gestiefelte Kater gilt als Ein- und Herzensbrecher, wird auch Katernova genannt. Rasant rasiert er seine Gegner mit dem Degen, seine Milch schlürft er noch schneller. Mitten im Westernland Mexiko reitet dieser einsame Räuber immer auf der Suche nach Gold. Als er die Zauberbohnen der schrecklichen Menschen Herr und Frau Jack und Jill klauen will, trifft er auf einen mysteriösen Gegner. Grandios das Duell mit dieser „Catwomen", die zuerst in mexikanischer Wrestling-Verkleidung auftritt. Die rasante die Verfolgungsrutscherei auf den Dächern des Dorfes endet in einem heißen Flamenco-Battle, das sehr an „West Side Story" erinnert.

Doch wie in großen Filmen erweist sich auch in diesem Zeichentrick für Kinder alles als abgekatertes Spiel: Hinter den legendären Zauberbohnen, die zur Gans mit den goldenen Eiern führt, steckt Katers Jugendfreund Humpty Alexander Dumpty! (Schon 1922 verkörpert von Stan Laurel, im Original gesprochen von Billy Bob Thornton, deutsch von einem nachnamenlosen Elton.)

Seiner verführerischen Konkurrentin erzählt der Gestiefelte die alte Geschichte von der gemeinsamen Kindheit im Waisenhaus. Damals schon war Kater ein furchtloser Kämpfer und Held. Humpty dagegen kam auf die schiefe Bahn, was schlecht ist, wenn man eine dünne Schale und darunter viel wabbeligen Eidotter hat. Beider Wege trennten sich, doch jetzt vereint sie die Suche. Wie der heilige Gral sollen die Goldenen Eier wieder alle(s) gut machen, zudem liefern sie noch einen Haufen deftiger Wortwitze für Erwachsene. Humptys geniale Erfindungen müssen es dabei mit einer futuristischen, von Wildschweinen gezogenen und mit Kanonen aufgerüsteten Kutsche aufnehmen.

Der Sidekick, die lustige Nebenfigur, bekommt einen eigenen Film - das kennt man, das passiert bestimmt auch noch mit Scat aus „Ice Age". Für den Kater aus „Shrek" ist dies ein „Prequel", wir erfahren, was vor seinem sensationellen Auftritt bei den grünen Riesen geschah. Die Rückblenden zu einer Kindheit im Waisenhaus von San Ricardo sind nicht wirklich so langweilig, dass man wie Kitty Softpaws einschläft.

Sie suchten Ärger und haben ihn oft gefunden - solch lässige Sprüche charakterisieren vor allem den Helden dieses gut gezeichneten Western, in dem die Tiere viel Charakter haben und Menschen die Klischees abbekommen. Einem Mieze-Zorro angemessen, erschüttern Mariachi-Melodien die Weite der Prärie. Im Stile Tarantinos zerschneiden Splitscreens das Bild wie Katers Degen die Unterhosen seiner Gegner. Während der komische spanis-lisspelnde Dialekt des Katers nicht an seine Originalstimme Antonio Banderas herankommt, wirkt Humpty über Elton sehr ver- und gleichzeitig angeschlagen.

Der erste Osterfilm der Saison bietet neben vielen Eier-Scherzen eine unterhaltsame, witzige Spielerei. Der anarchische Humor von Shrek ist völlig weg, der nicht nur mit seiner unwiderstehlichen Augennummer einschmeichelnde Kater legt alles Rebellische schnell ab. Das 3D läuft ohne beeindruckende Effekte ab. Die negative Folge ist, dass vor allem die Innenszenen sehr dunkel bleiben - die unbequemen Brillen fordern ihren Preis nicht nur an der Kasse. Auf der Basis der Märchen von Charles Perrault und der Brüder Grimm zeigt sich „Der gestiefelte Kater" fantastisch wenn auch nicht wirklich märchenhaft. Trotzdem ist es mit originellen Charakteren, mit viel Trick und Akrobatik ein großer Film für einen kleinen Kater.

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