7.11.11

Auf der Suche

BRD, Frankreich 2011 Regie: Jan Krüger mit Corinna Harfouch, Nico Rogner, Valérie Leroy, Mehdi Dehbi 89 Min.

Er war viel früher fertig, doch Jan Krügers Suche kommt erst nach Jan Schomburgs filmische Vermisstenanzeige „Über uns das All" ins Kino. Die Ähnlichkeiten sind frappant: Ein junger Mediziner aus Deutschland bringt sich in Marseille um und hinterlässt Fragende. (Dass beide Jans auch noch aus Aachen stammen ist ein seltsamer Zufall.) Doch der Ton beider sehr reizvoller Autorenfilme ist ganz unterschiedlich. Während sich bei Schomburg alles um die egozentrische „Witwe" Sandra Hüller dreht, rätseln beim Berliner Krüger („Rückenwind", „Unterwegs") der Ex-Liebhaber und die Mutter über die Leerstelle, die in ihrem Leben entstanden ist.

Ein fast typisches Treffen mit der Schwiegermutter steht am Anfang: Er holt sie in Marseille vom Flughafen ab, sie fahren in die Wohnung des noch vermissten Simon. Die Stimmung ist gereizt, den Liebhaber ihres Sohnes hatte sie nie richtig akzeptiert. Doch sie braucht ihn, weil ihr Französisch eher peinlich ist. Dafür ist ihr Suchen voller Entschlossenheit: Nein, das könne nicht sein, dass ihr Sohn einfach abhaut, das sei nicht seine Art. Auf der neuen Arbeitsstelle im Krankenhaus weiß man ebenso wenig wie bei der Polizei. Doch eine junge französische Kollegin taucht auf, die seine Geliebte gewesen sein will - ein Coming Out rückwärts, dass beide Deutsche überrascht. Langsam gibt Simons Mutter ihr rüdes Verhalten gegenüber dem Begleiter auf und ein ungewöhnliches Dreieck entsteht: Hier müssen sich Menschen finden und jeder hat ein anderes Bild von Simon.

„Auf der Suche" gibt aus Prinzip keine Antwort. Der Film bleibt ganz bewusst fragend, suchend. Jan Krüger präsentierte seine erste große Produktion auf der letzten Berlinale. Die bekannte und exzellente Corinna Harfouch spielt darin die Mutter, die in Marseille ihren anscheinend verschwundenen Sohn Simon sucht. Krüger gelang ein in seiner Form konsequenter Film, mit wenigen kriminalistischen, einigen dokumentarischen und vielen zwischenmenschlichen Elementen.

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