11.9.11

Venedig 2011 Kommentar

Über Kunst kann man nicht abstimmen - Die Preise

Nein, sicher hat bei der entscheidenden Jurysitzung niemand mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Die Regisseure Darren Aronofsky und André Téchiné, der Musiker David Byrne und die Schauspielerin Alba Rohrwacher sind kultivierte Leute. Gerade deswegen kann man davon ausgehen, dass der Goldene Löwe für Sokurows „Faust" ein Kompromiss-Kandidat ist. Denn so läuft es in Jurys: Bei fünf Mitgliedern gibt es fünf absolute Favoriten. Auf keinen von denen können sich alle einigen. Dann kommen die zweiten und dritten Präferenzen ins Spiel bis irgendwann alle einen von denen akzeptieren. Obwohl eventuell kein einziger denkt, dass dies der beste Film sei! Nun ist der elegische und sehr eigenwillige „Faust" mitnichten ein schlechter Film. Doch es ist ein Sokurow mit zu vielen Worten und zu wenigen der einzigartig traumartigen Sokurow-Bilder seiner früheren Elegien. Jede andere Entscheidung wäre mutiger gewesen, aber so bekam nur Michael Fassbender den Hauptdarsteller -Trostpreis für „Shame", „Sturmhöhe" nur den Kamera-Trostpreis und der griechische „Alpis" den Drehbuch-Trostpreis. Kunst und Demokratie sind nicht unbedingt vereinbare Konzepte.

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