20.9.11

Hell

BRD, Schweiz 2011 (Hell) Regie: Tim Fehlbaum mit Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Stipe Erceg, Angela Winkler, Lisa Vicari 86 Min. FSK ab 16

In nur fünf Jahren verwandelte die Erderwärmung nach heftigen Sonneneruptionen alles in pflanzenlose Ödnis. Das Jahr 2016 präsentiert sich in Tim Fehlbaums Debütfilm „Hell" als gleißende, lebensfeindliche Welt, in der ein paar Überlebende sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Die Strahlen der Sonne verbrennen nackte Haut sofort. Verhüllt wie Beduinen versuchen der Fahrer Phillip (Lars Eidinger) mit den Schwestern Marie (Hannah Herzsprung) und Leonie (Lisa Vicari) die Berge zu erreichen, dort soll es noch Wasser geben, dort soll noch Leben möglich sein. Auch Benzin und Nahrung sind knapp. Ein Halt an einer verlassenen Tankstelle ist immer ein Risiko. Im dunklen, verwüsteten Shop lauert ein Mann, der das Trio erst bestehlen will, dann aber aufgrund seiner Mechaniker-Kenntnisse von Phillip mitgenommen wird. Tom (Stipe Erceg) zeigt sich im Gegensatz zum bisherigen egoistischen Anführer als freundlicher und sozialer Begleiter. Als ein umgestürzter Hochspannungsmast zu einer Falle wird und die junge Leonie von einer wilden Horde entführt wird, leitet Tom die Befreiung an, die allerdings völlig misslingt. Verzweifelt und voller Schuldgefühl folgt Marie den Spuren der Horde und trifft in einer Kirche auf eine alte, hilfsbereite Frau (Angela Winkler). Die lädt ein, sich im Hof ihrer Familie zu erholen. Marie lernt eine seltsame Sippe kennen und entdeckt ein schreckliches Geheimnis...

Die deutsche Variante von „The Road" ist ein äußerst spannender Genre-Film, den man klein und dreckig nennen würde, wäre er nicht so hell und in jeder Hinsicht treffend inszeniert. Von den ersten internen Spannungen, die eskalieren, als ein Fremder im Auto mitfährt, bis zu heftigen Action-Einlagen wenn sich die Protagonisten unter Kannibalen wiederfinden, hält der HFF-Absolvent Tim Fehlbaum in seinem ersten Langfilm die Spannung enorm hoch. Das gilt auch für die Ästhetik, die scheinbar einfach, aber ungemein effektiv mit überbelichtetem Material arbeitet. Die Figuren funktionieren - von der einfachen Gegenüberstellung Feigling/Held bis zum komplexen Verhältnis der beiden Schwestern. Besonders effektiv tragen die Darsteller zum guten Filmvergnügen bei: Hannah Herzsprung („Vier Minuten", „Der Baader Meinhof Komplex"), Lars Eidinger („Alle Anderen"), Stipe Erceg(„Die fetten Jahre sind vorbei") und Lisa Vicari („Hanni & Nanni") beeindrucken nachhaltig. Angela Winkler als gottesfürchtige Kannibalin ist ein genialer Besetzungs-Coup. So futuristisch das apokalyptische Szenario ist, im Thema und in der Gewaltanwendung altmodisch kommt „Hell" richtig altmodisch daher. Wie es sich für einen Genre-Film gehört. Als Zugabe zur massen-kompatiblen Unterhaltung brennen sich die eindrucksvollen Bilder in die Netzhaut ein.

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