15.8.11

Midnight in Paris

USA, Spanien 2011 (Midnight in Paris) Regie: Woody Allen mit Owen Wilson, Marion Cotillard, Rachel McAdams, Kathy Bates, Adrien Brody 94 Min. FSK o.A.

Woody Allens romantische Komödie „Midnight in Paris" ist der beste Film des New Yorkers seit sehr langem. Raffiniert verwebt sie Science Fiction und ein wunderbare Kulturgeschichte von Paris. Wie schon bei „Vicky Cristina Barcelona" inspirierte der Ortswechsel Allen. Ein junges Paar gerät kurz vor der Hochzeit auf Abwege, während sich die materialistische Ines in Paris langweilt und shoppt, verfällt der nostalgische Träumer Gil dem Zauber der Stadt - was wortwörtlich zu nehmen ist.

Der recht erfolgreicher Hollywood-Autor Gil Pender (Owen Wilson), lässt in Paris seinen alten Traum, ein richtiger Schriftsteller zu sein, aufleben. Während die Verlobte Ines mit den republikanisch konservativen Eltern lästert und über Shopping-Schnäppchen schwärmt, gerät der Romantiker, der von einer anderen Zeit träumt, genau in diese: Glockenschlag Mitternacht fährt ein Peugeot-Oldtimer vor und bringt Gil in die Goldenen Zwanziger, mitten in das Leben der Boheme, genauer der „Moderns". Ein Festival der Kunstgrößen beginnt: Adrien Brody gibt Dalí, Kathy Bates berät als Gertrude Stein Gil bei seinem Roman, ein herrlich lächerlicher Macho-Hemingway steckt dem Zeitreisenden, das seine Verlobte wohl ein Verhältnis habe. Über das Schreiben und das Sterben spricht man mit Scott Fitzgerald, während Cole Porter „Let's Fall in Love" spielt. Derweil verliebt sich Gil bei seinen allabendlichen Besuchen in der Vergangenheit in Adriana (Marion Cotillard), die Muse für Modigliani wie auch für Braque war und aktuell Pablo Picasso den wirren Kopf verdreht.

Der junge Mann aus Kalifornien ist nachhaltig irritiert von dieser Liebe quer durch die Zeiten, während ihm seine Verlobte ein Haus am See mit Kanu am Steg schmackhaft macht. Das einmalig erstaunte Gesicht Wilsons sorgt für viel Spaß. Allen selbst schwelgt mit „Midnight in Paris" in einer vermeintlich besseren Zeit, der schon Alan Rudolph seinen Film „The Moderns" widmete. Das „Golden Age-Syndrom", das Träumen von (kulturell) besseren Zeiten, bekommt eine überraschende Wendung, als Gil und Adriana während eines romantischen Moments von einer Kutsche in die Belle Epoque entführt werden – ihre Traum-Epoche diesmal. Der Träumer Gil kommt zu der sehr nüchternen Woody Allen-Einsicht, dass die eigene Zeit immer als langweilig betrachtet wird, weil man halt in ihr leben muss. Er wird aber trotzdem mit einem Happy End belohnt – um Mitternacht in Paris.

Der Zuschauer wird mit einem wunderbaren Film belohnt. Der in Cannes noch aufgeregt besprochene Auftritt von Carla Bruni-Sarkozy ist dabei schnell vergessen, ebenso wie ihre kleine Rolle als Führerin im Rodin-Museum angesichts eines, wie bei Allen üblich, hochrangigen Schauspieler-Ensembles. Der echte und ernste „comédien", wie die Franzosen Schauspieler nennen, Owen Wilson ist einfach großartig. In Gils/Wilsons Sprache und Gestik steckt eine Menge Woody Allen. Der sich immer wieder neu erfindende Komödien-Regisseur erzählte denn auch von einer ähnlichen Situation nach dem Dreh von „What's new Pussycat?!" in den Siebzigern, indem er erstmals spielte und auch das Drehbuch schrieb. Einige vom Team blieben nach dem Dreh in Paris, Allen meint im Nachhinein, er hätte nicht den Mut dazu gehabt. Zum Glück für alle, die nun den romantischen Science Fiction „Midnight in Paris" genießen dürfen.

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