24.8.11

Die drei Musketiere (2011)

Großbritannien, BRD, Frankreich, USA 2011 Regie: Paul W.S. Anderson mit Logan Lerman, Milla Jovovich, Matthew MacFadyen, Ray Stevenson, Luke Evans ca. 120 Min.

Die alte Geschichte von Dumas revampt, aufgehübscht und in Details radikal modernisiert: „Die drei Musketiere" jetzt neu mit verbesserter Waschkraft! Doch im Gegensatz zu Persil & Co. war dieses Action- und Abenteuer-Paket schon mal besser.

Der junge Heißsporn D'Artagnan (Logan Lerman) stürmt vom Lande nach Paris, um Söldner zu werden. Statt Bewunderung seiner Fechtkunst erntet zuerst sein Gaul einen Strafzettel. Danach peppt D'Artagnan beim Gruppen-Fechten gegen Richelieus Schergen die altersmüden Musketiere Athos, Porthos und Aramis auf. Worauf sie umgehend mitten in einer Intrige um die Juwelen der Königin stecken.

Welche Fäden schneiden im 17. Jahrhundert scharf wie Laserstrahlen? Der laute, aber trotz 3D flache Mantel- und Degen-Epigone „Die drei Musketiere" spielt derartig mit anachronistischen Luftschiffen und anderen Scherzchen rum, dass der Rest des Films seine Bodenhaftung verliert. Da fragt man sich nicht nur, wie fliegenden Fregatten eigentlich gegen jede Windrichtung gesteuert werden, auch ganz einfache Handlungselemente werden verschlampt. Paul W.S. Anderson treibt das Fantastische auf die Spitze. Wortwörtlich, wenn auf dem Höhepunkt des Spektakels sich während einer Luftschlacht über der Kathedrale von Notre-Dame die Kirchturmspitze durch die Schiffe bohrt. Die Schwertkämpfe sind in ihrer Übertreibung eher dem Kung Fu-Film anverwandt als dem Autor Dumas oder den fast ebenso alten Schwert- und Degenfilmen des alten Hollywood. Selbstverständlich ist auch so gut wie nie ein Tropfen Blut zu sehen, hier ist der zeitlose Film mal richtig altmodisch.

Gerade die unbekannten „Hauptdarsteller" der Musketiere bleiben erstaunlich blass und flach. Zu viel Effekthascherei drumherum lässt zu wenig Zeit für echte Figurenzeichnung. Deshalb ein lohnender Blick in die zweite Reihe: Milla Jovovich, Gattin des Regisseurs Paul W.S. Anderson („Resident Evil"), spielt als gerissene Verräterin M'lady de Winter eine Parodie ihrer üblichen Action-Rollen: Die Super-Spionin, Mata Hari in Versailles und London, zeigt nicht nur äußerlichen Reiz, sondern gleichzeitig Geheimagenten-Dress mit Rüschen und albernen Posen. Mads Mikkelsen hat wieder was am Auge (eine Klappe) und wirkt auch auf kleinem Raum in wenigen Szenen als Rochefort eindrucksvoll. Christoph Waltz sticht als Kardinal Richelieu hervor. Vielleicht, weil er wie in „Basterds" den Reiz des Bösen zelebriert, vielleicht aber auch nur, weil er sich selbst synchronisiert und so glaubhafter klingt als die anderen Garagen- und Retorten-Stimmen. Der König als Witzfigur lässt diese Wirkung noch wachsen.

Apropos Lokalpatriotismus: „Die drei Musketiere" von 2011 sind eine deutsche Produktion, was man vor allem merkt, wenn Til Schweiger kurz brüllend durch die Gegend rennt. Venedigs Paläste wurden in Babelsberg geflutet, Bayern spendierte einige Landschaften und alle Steuerzahler ließen sich den Spaß insgesamt über 11 Millionen Euro kosten. Da wird einem das privatwirtschaftlich finanzierte Hollywood gleich wieder sympathisch! Das 3D erfreut wieder mal hauptsächlich die Kinokasse, ebenso wie die völlig dreist angekündigte Fortsetzung. Aber Orlando Bloom (Herzog von Buckingham) braucht ja neue Beschäftigung auf den Schiffsplanken welche die Welt bedeuten, nachdem er bei den Piraten der Karibik ausgemustert wurde.

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