9.7.10

Hasenheide


BRD 2010

Regie und Buch: Nana A.T. Rebhan, Kamera: Nana A.T. Rebhan, Schnitt: Justyna Hajda, Produktion: Nana A.T. Rebhan, Alfred Exner 72 Min.
Verleih: Alfaville alfaville.film@gmx.net

Nicht der Central Park, nicht der Retiro, nicht mal der Tiergarten: Die Berliner Hasenheide ist kein Protz-Park, kein Touristen-Ziel. Der 50 Hektar große Park in Neukölln an der Grenze zu Kreuzberg liegt hingegen mitten im Leben der Menschen aus der Gegend. Die Regisseurin Nana A.T. Rebhan zeigt in ihrem Park-Porträt „Hasenheise“ vor allem die Spannweite des Genießens. Der Park, das sind unter diesem sympathischen und offenen Blick seine Menschen.

Bei einigen gilt die Hasenheide als „No go area“, denn sie ist unübersehbar ein belebter Drogenumschlagplatz in Neukölln. Die lustige Selbstverteidigungs-Gruppe, die im Park übt, interessiert dieses Klischee nicht: Für sie ist die Hasenheide ein „Ort zum Wohlfühlen“. Das leben auch die multinationalen Bolzteams mit großartiger Ball-Technik vor. Zu den vielen netten kleinen Beobachtungen des Films gehört die Insider-Erklärung, was die heftigen Streits über Tor und Nicht-Tor eigentlich bedeuten: Die Jungs sind einfach ko aber können das nicht zugeben. Da streitet man sich lieber mit großer Geste und beendet so das Spiel.

Auf dem Jogging-Parcours macht selbstverständlich auch eine verhüllte Muslima ihre Dehnübungen. Dies ist schließlich Neukölln! In der Hasenschenke selbst finden selbst echte Berliner noch ein Reservat fern vom touristischen Sony Center am Potsdamer Platz. Hier herrscht kein Biergarten-Chic, passend malt ein Künstler Zille-Motive auf die Wände der Hasenschenke. Überhaupt ist dieser Park nirgendwo fein mit Kunst verziert wie der Tiergarten.

„Hasenheide“ zeigt ein Gegenbild, zeigt die „Parallelgesellschaften“ abseits der aktuell oder ehemalig trendigen Viertel. Es ist ein positiver, netter Blick mit Stimmungsbildern, kurzen Selbstdarstellungen und Interviews. Da folgt der schwulen FKK-Sonnenecke mit dem einsamen Sonnenanbeter im Lotus-Sitz und der Zickenclique eine türkische Musikergruppe. Auch hier bleiben Männer unter sich, aber bekleidet und mit Instrumenten ausgerüstet liefern sie den orientalischen Soundtrack für die Abendstimmung. Die eher seltenen Fragen der Regisseurin zeigen vor allem ein großes Interesse an den Menschen. So erfährt sie von immer neuen Hasenheiden-Bewohnern, etwa von einem originellen Typen, der mit seinen vier Papageien durch den Park geht, und von dem Mann, der täglich den Falken des Parks füttert. Die Szenen wurden kommentarfrei und flüssig aneinander gefügt, wobei sich wie im richtigen Leben immer neue Begegnungen ergeben.

Über die „Hartz4-Wiese“ stolziert auch eine edel bekleidete, ziemlich schräge ältere Dame, passend Schneewittchen genannt. Besonders schön ist hier die Konfrontation mit einer ganz anderen, rustikalen Hunde-Lady, die unter Cowboyhut und Poncho von ihrer Arbeits-Reintegrations-Maßnahme erzählt. Kurios sind nicht nur ihre Versuche, die Probleme mit aggressiv ängstlichen Kindern, die das ach so friedliche Hundleben im Park stören, zu bewältigen.

Nana A.T. Rebhan zeichnet ein freundliches Porträt des vielfältig lebendigen Parks, ohne Interviews mit den Dealern, der Polizei oder Politikern. Ein runder Film über etwas Unspektakuläres, aber vielleicht umso wichtigeres in einer (Medien-) Welt, die reißerische Konfrontationen sucht: Das Zusammenleben.

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