7.6.10

My Name is Khan


Indien 2010 (My Name is Khan) Regie: Karan Johar  mit Shah Rukh Khan, Kajol 125 Min.

Der indische Film ist der erfolgreichste der Welt. Und der absolute Überstar dieses „Bollywood-Kinos“ ist Shah Rukh Khan - eine Art Elvis und Michael Jackson in Personalunion und dann auch noch lebendig! Dies nur, um „My Name is Khan“ für die Uneingeweihten einzuordnen. Nun hat Shah Rukh Khan mit „My Name is Khan“ einen sehr politischen und gleichzeitig herrlich kitschigen Bollywood-Film hingelegt. Shah Rukh Khan zeigt als Rizvan Khan in „My Name is Khan“ den USA und der ganzen Welt, dass nicht jeder Muslim ein Terrorist ist. Zudem erweist sich der naive Held als moralisches Vorbild für die Amerikaner. In der Tradition Bollywoods geht das selbstverständlich nicht ohne ein großes Liebesdrama und einige Lieder ab.
 
Das ebenso unglaublich politische wie herrlich kitschige Drama „My Name is Khan“ zeigt Superstar Shah Rukh Khan als indischen „Rainman“ und als heiligen Narr, der zum moralischen Retter der USA wird. Seine Figur Rizvan Khan leidet am Asperger-Syndrom, einer milden Form von Autismus. In der Jugend muss Rizvan Khan in Indien blutige religiöse Massaker zwischen Hindus und Moslems miterleben. Doch seine liebevolle und fürsorgliche Mutter lehrt ihn, dass es nur zwei Arten von Menschen gibt: gute und schlechte. Jahre später ist Rizvan in den USA glücklich mit einer Traumfrau (Kajol) verheiratet, als die Anschläge vom 11. September 2001 eine Welle des Hasses gegen alles, was muslimisch sein könnte, auslösen. Sein hinduistischer Stiefsohn Sam wird aufgrund des angenommenen Nachnamens Khan von weißen amerikanischen Mitschülern ermordet und in seiner verzweifelten Einfalt will Rizvan allen, vor allem aber dem Präsidenten Bush klarmachen: „Mein Name ist Khan, ich bin kein Terrorist.“ Seine Reisetätigkeit auf den Spuren von Bush rufen allerdings die Sicherheitsdienste auf den Plan...

„My Name Is Khan“ beginnt seine - in der Originalversion - fast drei prallen Filmstunden packend und politisch. Spätestens wenn die Liebe zwischen Rizvan und Mandira (Superstar Kajol Devgan) ausbricht, ist dieser amerikanisch-indische Film wieder in Bollywood angekommen. Zwar fehlen die Tanzeinlagen und es gibt relativ wenige Lieder, doch hier traut man sich, die Gefühle viel deutlicher heraus zu schreien und die Schmetterlinge im Bauch blumiger auszumalen. Trotz heftigster Überzeichnungen und eines sehr freien Umgangs mit der Krankheit des Helden ist der Aufruf zur Verständigung überzeugend. Scheinbar spielerisch leicht gelingt es dem Film, Politisches und Banales miteinander zu verbinden.

Das Schauspiel von Shah Rukh Khan trägt dazu besonders bei: Ihm gelingt es, den für Außenstehende geistig behinderten Rizvan mit Menschlichkeit und viel Humor darzustellen, ohne ihn lächerlich zu machen. Man kann Shah Rukh Khan auch das politische Engagement glauben - bei allem Überkitsch, der zu diesem Kino gehört. Denn parallel zur Euro-Premiere riskierte Khan daheim seinen Ruhm, indem er sich für pakistanische Spieler in Indiens Kricket-Liga ausgesprochen hat, worauf extremistische Hindus heftig protestierten.

„My Name Is Khan“ ist großes Spektakel und mehr. Damit nicht nur für die zahlreichen Khan-Fans ein ganz spezieller Stoff. Der Film kommt leider nur in einer um ganze 40 Minuten gekürzten Fassung in die deutschen Kinos. Das wird einige der Fans verschrecken, die sich dann für die volle Khan-Dröhnung auf dem internationalen DVD-Markt bedienen.

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