22.6.10

Easy Virtue


Großbritannien, Kanada 2008 (Easy Virtue) Regie: Stephan Elliott mit Jessica Biel, Ben Barnes, Kristin Scott Thomas, Colin Firth 97 Min. FSK ab 6

Eine amerikanische Rennfahrerin in den Roaring Twenties, den Wilden Zwanzigern, rennt sich an der verstaubten Familie ihres britischen Mannes den hübschen und klugen Kopf ein. Nach einer Bühnen-Vorlage des schillernden Autors und Schauspielers Noel Coward (1899 - 1973) inszenierte Stephan Elliott („Priscilla, Queen of the Desert“) mit tollem Cast und großartiger Ausstattung eine bissige Komödie mit überraschendem emotionalen Tiefgang.

Die blonde und höchst attraktive Amerikanerin Larita (Jessica Biel) liebt große Auftritte. Beim Grand Prix in Monaco, den sie gewinnt, dann aber als Frau disqualifiziert wird. Oder wenn sie mit ihrem Rennwagen bei der Familie des frischgebackenen britischen Ehemannes John Whittaker (Ben Barnes) vorfährt. Nur leider lautet eines der Gesetze der schlecht gelaunten, gestressten Familiendiktatorin Mrs. Whittaker (Kristin Scott Thomas) auf dem riesigen, langsam verfallenden Schloss: „Nicht auffallen! Sich unsichtbar machen!“

Nun versucht die sympathische Larita, sich an die seltsamen Gepflogenheiten der Landeier anzupassen, doch das geht nicht erst beim Can Can ohne Unterwäsche auf der Kriegswitwen-Benefiz schief, der alte Herren zu Tränen rührt. Auf die unerlässliche Frage, ob sie die Jagd liebe, kontert Larita: „Die auf wehrlose Tiere oder nach Glück und Vollkommenheit?“ Generell bescheinigt die junge Frau aus Detroit Pferden eine schlechte Lenkung sowie ein unzuverlässiges Bremssystem. Und mischt auf dieser Grundlage die Fuchsjagd grandios auf. In der erstickende Atmosphäre des rückständigen Landlebens, ist die junge Ehe trotzdem schnell bedroht. Gatte John singt nette Liedchen, verhält sich aber nicht solidarisch. Nur sein Vater (Colin Firth - ein Genuss) steht Larita mit galligen Kommentaren zur Seite. Hinter seiner ruhigen, sarkastischen Art steckt die bittere Geschichte eines Offiziers, dessen komplette Mannschaft im „Großen Krieg“ innerhalb von wenigen Minuten massakriert wurde. Seine Frau holte ihn aus einer Opiumhöhle zurück, seitdem gibt es eine Lüge mehr in dieser Familie.

Das pralle Kino-Vergnügen vom Priscilla-Regisseur Stephan Elliott unterhält scheinbar ganz einfach leicht und trotzdem mit anrührendem Tiefgang. Der Humor reicht vom guten, alten Slapstick, wenn der versehentlich platt-gesessene Schoßhund heimlich verbuddelt wird, bis zu feingeistigen Bemerkungen, scharf wie bei Oscar Wilde. Das historische Dekor verbindet sich mit auf alt gestimmten Songs wie Rose Royces „Car Wash“ oder Tom Jones’ „Sex Bomb“ Larita erkennt die Bitterkeit der Mrs. Whittaker als deren Frust, nie die Welt gesehen zu haben. Von der nicht nur blonden, sondern auch klugen Frau kommen auch die Einsichten darüber, was und wen man so in Beziehungen sucht. Und was dabei kaputt gegen kann. Im großen Finale tanzt eine Ausgestoßene ihren Tango alleine. Doch „Easy Virtue“ wird doch noch ein großer Liebesfilm, ein schöner Aus- und Aufbruch.

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