1.6.10

Diamantenhochzeit


BRD 2009 Regie: Michael Kupczyk mit Marleen Lohse, Jörg Pohl, Uta Maria Schütze, Dietrich Hollinderbäumer, Anja Franke 84 Min.

Ein Beutelchen Diamanten zur Hochzeit mitbringen - eine schöne Idee, die ein junges Brautpaar freuen wird. Allerdings nicht, wenn die Diamanten noch im Bauch des Kuriers stecken und der tot im Kofferraum liegt. Der Vater der Bräutigams hat mal wieder ein krummes Ding vergeigt. Der aus Lünen stammende Regisseur Michael Kupczyk („Nordstadt“) machte aus dieser Grundidee und einigen bekannten Gesichtern in seinem zweiten Langfilm eine flotte Komödie mit der Besonderheit, dass alles in „Echtzeit“ abläuft - die erzählte Zeit ist gleich der Erzählzeit.

Auch für die jungen, verliebten Studenten Julia Dähnert und Alex Protovski (Marleen Lohse, Jörg Pohl) soll ihre Hochzeit zu einem besonderen Tag werden. Als Problem erweist sich jedoch einmal nicht, dass die Elternpaare kaum gegensätzlicher sein könnten. Julias Eltern (Uta Maria Schütze, Dietrich Hollinderbäumer) steigen als reiche Spießer im noblen Hotel ab und bringen einen Kleinwagen als Geschenk mit. Alex’ Erzeuger, die esoterische Ramona Keller (Anja Franke) und der zwielichtige Manfred Protovski (Martin Brambach), kommen nicht nur getrennt, Manfred bringt auch eine Menge Ärger mit. Denn er schoss aus Versehen mit der Pistole, die ja „aussieht wie echt“ durch die Klotür und den Kopf des Kuriers, der sich gerade einer aus Afrika geschmuggelten Ladung Diamanten für 120.000 Euro entledigen wollte.

Der chaotische Manfred bringt die Leiche einfach zur Hochzeit mit, was in Folge auch den Gangster Grecco (Udo Kroschwald) und seinen mordlüsternen Handlanger Jay Jay (Helmüt Rühl) zum Teil der Feiergesellschaft macht. Die Leiche mit den Diamanten kommt in Alex’ alten Saab, der im Laufe der sich überschlagenden Handlung Stück für Stück zu Schrott verwandelt wird. Julias Eltern warten derweil in klassischer Slapstick-Tradition sehr lange vor dem Hotel, während immer wieder mal jemand aus der Hochzeitsgesellschaft hektisch vorbeifährt und sie nicht mitnimmt...

Schon der Vorspann sieht nach Blake Edwards’ „Pink Panther“ aus. Statt des Diamanten Pink Panther gibt es bei der „Diamantenhochzeit“ eine Pink Torte, die erstaunlich lange sehr viel mitmacht. Die Grundidee für den klassischen Komödien-Plot, der recht flott umgesetzt wurde, war von einem abgeschlossenen Handlungszeitraum bestimmt: Alles was sich ereignet, passiert exakt in den knapp 90 Minuten, die auch der Film läuft. Aquafilm-Produzent und Ko-Autor Peter Kreutz entwickelte diese Idee zusammen mit seinem Autor und Freund Georg Piller, noch bevor sie in Form von „24“ berühmt wurde. Was John Badham als Krimi „Gegen die Zeit“ mit Johnny Depp gelang, sorgt auch komisch mit einer Riege treffend besetzter Darsteller aus der zweiten Reihe für nette Unterhaltung. Nicht immer hält der Film sein vorgegebenes Tempo, doch freche Dialoge („Arsch voll Diamanten, keen Geld für’n Taxi!“) sowie originelle Bildgestaltung mit Splitscreens und Wischblenden fangen einiges auf. Ein wenig schwarzer Humor rundet den leichten Hochzeitsschmaus ab.

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