26.4.10

Zu scharf, um wahr zu sein


USA 2010 (She's Out Of My League) Regie: Jim Field Smith mit Jay Baruchel, Alice Eve, T.J. Miller 104 Min. FSK ab 12

Wenn Sie eine echte Nr. 1 sind, würden Sie dann in Filme gehen, die Null-Nummern sind? Auf keinen Fall! Leider ist das Leben nicht so einfach und leider präsentiert uns das Kino viel zu viele Null-Nummern, in die immer noch Leute rein rennen. Gleichermaßen einfach startet „Zu scharf, um wahr zu sein“: Kirk (Jay Baruchel) ist ein netter Kerl, ein zu netter Kerl. Der Wachmann vom Flughafen ist aber auch etwas tollpatschig, manchmal peinlich, also höchstens eine 5 (in den Augen seiner besten Freunde). Trotzdem kommt er nach einigen Zufällen mit der attraktiven Molly (Alice Eve) zusammen, die in den Augen des Films und aller Männer, die sich in ihm nach ihr umdrehen, eine echte 10 ist. 10 oder „Ten“ das bedeutet im amerikanischen Notensystem eindeutig Nr. 1 und auch ein schön spöttischer Blake Edwards-Film mit dem vom Podest gestoßenen Postergirl Bo Derek hieß 1978 so: „Zehn - Die Traumfrau“.

Nun ist der sympathische Verlierer Kirk aber auch lustig. Er bringt Molly zum Lachen und versucht erst gar nicht, sie zu beeindrucken oder sie auf ein Podest zu setzen. Dazu erweist sie sich nicht nur als blond und in Zeitlupe teuer angezogen. Sie formuliert auch noch zusammenhängende, korrekte Sätze. So reden die beiden miteinander, reden sogar über Persönliches, auch wenn ihn sein rotes Jackett beim ersten Date wie ein Kellner aussehen lässt. Kirk wirkt ziemlich linkisch und der Film muss ihn immer wieder in pubertäre Situationen stürzen, doch er verhält sich sehr erwachsen. Für Äußerlichkeiten wie Ranglisten von 1 bis 10 sind seine dämlichen und notgeilen Freunde zuständig. Doch letztlich endet auch das Regie-Debüt vom Engländer Jim Field Smith zu oft beim Niveau von „American Pie“: Statt einem romantischen Finale gibt es eine Kindergeburtstags-Rauferei.

„Zu scharf“ klammert sich an seine simple Grundidee, nicht besonders scharf oder überraschend. Die sich ziehende Lauflänge wurde mit etwas grobem Humor angefüllt. Dabei ist die ganze Sache nicht ohne und man macht es sich zu leicht, wenn man die Attraktivitäts-Skala als oberflächlich abtut. Denn es gibt sie doch, die Klassen, die sich nach Einkommen, Bildung und Aussehen passend paaren. Dabei legt sich dieser Film - wie die meisten, die eine Geschichte vom hässlichen Entchen variieren - selbst rein: Kirk sieht im Laufe des Films deutlich gepflegter und "besser" aus. In einem Maße, das nicht auffallen, aber unbewusst durchaus wirken soll.

Nicht zufällig arbeitet Hollywood seit Jahrzehnten an einer derartigen Standardisierung des Geschmacks mit. Als DIN-Norm für Attraktivität, bei der sich das Verlieben wie bei einer Formel verhält. Alle Konsumenten sollen nicht nur die Barbie- und Ken-Varianten gut finden, sie sollen auch exakt auf den gleichen "Geschmack" bei Filmen reduziert werden. Praktische Blockbuster-Monotonie statt kreativer Freiheit und Vielfalt.

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