19.4.10

Young Victoria


USA, Großbritannien 2009 (The Young Victoria) Regie: Jean-Marc Vallée mit Emily Blunt, Rupert Friend, Miranda Richardson, Jim Broadbent 104 Min. FSK: o.A.

Die „Großen“ dieser Welt als Privatpersonen. Das war immer Stoff für bunte und goldene Blätter. Aber leider auch - meist als „Untergang“ jeden Anspruchs - für das Kino. Was man schon immer über Königinnen und Prinzessinnen wissen wollte, haben „The Queen“ (mit Helen Mirren) von Stephen Frears und „Marie Antoinette“ (Kirsten Dunst) von Sofia Coppola auf unterschiedlichste Weise bloßgelegt. Schön anzusehen war auch „Elisabeth“ von Shekhar Kapur mit Cate Blanchett. Also braucht man noch einen Königinnen-Film so wenig wie die Monarchie an sich. „Young Victoria“ kann leider überhaupt nicht vom Gegenteil überzeugen.

Als Königin hat man es echt schwer - falls jemand über diesen Beruf nachdenkt, lieber Abi machen und was Anständiges lernen. Die junge Victoria (Emily Blunt) ist noch keine 18 und deshalb noch nicht „thron-reif“. Sie darf  in ihrem Kensington-Palast nicht alleine die Treppen runter gehen, steht unter der Fuchtel ihrer Mutter, der Herzogin von Kent (Miranda Richardson), die wiederum von ihrem Buchhalter und Liebhaber Sir John Conroy (Mark Strong) beeinflusst wird. Denn wenn Victoria dem Druck nachgäbe, würde die Mutter als Stellvertreterin alle Macht erhalten. Victorias Onkel, König William IV (großartig: Jim Broadbent), kränkelt zwar, doch hält er sich mit Zetern und Schimpfen lange genug am Leben, damit seine geliebte Nichte und nicht die verhasste Schwester die Macht übernimmt. Als Victoria im Jahr 1837 endlich auf einem zu hohen Thron gekrönt wird, erweist sie sich als erstaunlich souverän. Mit etwas Aufregung und viel Begeisterung übernimmt sie die Amtsgeschäfte. Dramatisch wird es nur, als wegen eines Streits um Hofdamen die Regierung abtritt.

So weit das Intrigen-Arsenal - die Abteilung „Herz“ sieht auch nicht viel übersichtlicher aus: Zwar gibt es eine Seelenverwandtschaft mit dem deutschen Cousin Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (Rupert Friend), doch der agiert ja im Auftrage des Königs Leopold von Belgien (Thomas Kretschmann). Aber irgendwann machen Vicky und Albert doch ernst. Zur von den Porträts eher bekannten, melancholischen Queen des strengen Victorianischen Zeitalters wird die aufgeweckte, selbstbewusste Frau erst als Albert zu früh stirbt. Im Off hört man zwischendurch ihre Gedanken und am Ende eine Lobeshymne, die völlig überzogen wohl von Monty Python eingesprochen wurde.

Ermüdend erweist sich das ganze Material des Films, der unentschlossen und uninteressant zwischen Königs-Chronik und persönlichem Erleben laviert und mit dicker Musiksoße übergossen wurde. Die nette, aber niemals zündende Romantik zwischen Victoria und Albert kann den getragenen Kostümschinken auch nicht retten. Selbst diese Beleidigung zieht nicht vollends, denn immerhin erhielt Sandy Powell einen Oscar für Beste Kostüme. Aber auch die wären vom Flohmarkt weggefunden sicher inspirierter gewesen als diese BBC-Langeweile.

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