3.3.10

The Box


USA 2009 Regie: Richard Kelly mit Cameron Diaz, Frank Langella, James Marsden 110 Min. FSK ab 16
Paramount (Kauf-DVD)

Da macht einer drei der besten Filme des letzten Jahrzehnts und keiner von ihnen startet bei uns im Kino. Nach „Donnie Darko“ (2001) und „Southland Tales“ (2006) nun ein grandioses Stück Sartre-Cinema, ein hoch spannender und tiefsinniger philosophischer Mystery-Thriller: Norma (Cameron Diaz) und Arthur Lewis (James Marsden) bilden mit ihrem Sohn Walter eine Musterfamilie im auffällig aufgeräumten Bildrahmen. Aber finanzielle Probleme plagen diese vorbildlichen Amerikaner. Arthur entwickelte die Kamera der gerade auf dem Mars gelandeten Viking-Sonden, will als Astronaut ins All, wird aber abgelehnt. Norma erfährt von Gehalts-Kürzungen, dabei muss ihr durch eine Röntgen-Überdosis verstrahlter Fuß dringend operiert werden.

Eines Tages steht eine Dose mit rotem Knopf vor der Tür. Die Gebrauchsanweisung dargeboten durch den dämonischen Mr. Arlington Steward (Frank Langella), mit einer Brandwunde, die sein ganzes Gesicht entstellt, ist simpel: Wenn sie den Knopf drücken, wird irgendwo auf der Welt ein Unbekannter sterben und die Lewis’ erhalten eine Millionen Dollar in Bar.

Das spannende moralische Experiment erweist sich als Schneeball-System, als Ketten-Spiel mit dem Tod. Es führt zu einer ersten bitteren Lehre: Es gibt immer Konsequenzen! Nun gerät der Inhalt der „Box“ vor lauter Verdächtigungen mysteriös im Stile bedrohlicher Science Fiction-Filme der Fünfziger Jahre.

Die große Verschwörung bei der NASA, der Geheimdienst NSA und vielleicht auch übersinnliche Mächte im Spiel sind, zeigt im Bild (Kamera: Steven Poster) Nuancen von grau, in seine Seele ist dieser Film tiefschwarz. Unüberhörbar ist der Hinweis auf Sartres „Geschlossene Gesellschaft“: Die Hölle sind die anderen. „Du hast Blut an deinen Händen“, wird nur noch sinnbildlich verstanden, wenn man für das Versprechen allgemeinen Wohlstands in Kauf nimmt, dass irgendwo auf der Welt der eine oder andere Mensch stirbt. Der „Test“ endet nach Aussage des Stewards Arlington, wenn genügend Menschen nicht auf den Knopf drücken. Aber es wird weitere Tests geben. Seine gedankliche Komplexität zeigt „The Box“ auch im Bild, das beispielsweise die Mayflower und die Twin Towers hochpolitisch in einer Aufnahme zeigen, also Beginn und Zerstörung des amerikanischen Traums.

„The Box“ ist mit Einsprengseln von Arthur C. Clarke und klassischer Thriller-Musik (Win Butler, Regine Chassagne, Owen Pallett) so exzellent gestaltet, dass er im Kino laufen sollte. In Deutschland passiert dies aber erst einmal nicht. aber das scheint das Schicksal von Richard Kelly zu sein.

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