20.2.10

Shutter Island


USA 2010 (Shutter Island) Regie: Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Emily Mortimer 138 Min.

Die Herren Professor Teer und Doktor Feder leiteten einst bei Edgar Allen Poe eine Irrenanstalt, die von den Patienten übernommen wurde. Die Frage, wer mehr spinnt, der Patient oder der Doktor, stand auch schon beim Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“  mitten im von Schatten zerrissenen Raum. Wenn der US-Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) nun auf der psychiatrischen Gefängnis-Insel Shutter Island landet, verfolgt er eine FBI-Verschwörung bei der alle unter einer Decke stecken. Oder spinnt er einfach nur? Bis das Rätsel gelöst wird, sorgt Meister-Regisseur Martin Scorsese für reichlich Spannung.

Im Jahre 1954, während die Kommunisten-Hatz des Senators McCarthy die USA verängstigt, kommt Marshall Teddy Daniels mit seinem neuen Kollegen Chuck Aule (Mark Ruffalo) auf Shutter Island an. Sie sollen eine vermisste Frau finden, die aus ihrer verschlossenen Zelle fliehen konnte. Sie war ein Häftling, beziehungsweise eine Patientin, wie es die Ärzte betonen. Doch während alle Befragten mauern, sorgt ein Sturm für unfreiwilligen Freigang. Teddy nutzt die Gelegenheit, den mysteriösen - und ziemlich gruseligen - Trakt C heimlich zu untersuchen. Denn der verbissene Schnüffler vermutet, dass hier ist auch der Mann inhaftiert ist, der seine Frau umbrachte. Und dass im Auftrag der Regierung Experimente an den Hirnen der Inhaftierten durchgeführt werden. Eine Fortsetzung des Grauens, das Teddy als amerikanischer Soldat bei der Befreiung des Konzentrationslagers von Dachau erlebte. Rückblenden zeigen, wie seine Einheit nach dem Anblick der Leichenberge die deutschen Bewacher im Maschinengewehr-Feuer hinrichteten. Nach Meinung der leitenden Ärzte Dr. John Cawley (Ben Kingsley) und Dr. Jeremiah Naehring (Max von Sydow) liegt hier der Anfang des Traumas von Teddy Daniels. In Folge eines dramatischen Ereignisses habe er die Realität ausgeschlossen und lebe in einer Scheinwelt, in seinem eigenen Film.

Seine eigenen Filme hat auch der Regisseur Martin Scorsese im Kopf. Viele Filme! So ist „Shutter Island“ auch ein Stück Filmgeschichte mit Referenzen zu „Das Cabinet des Dr. Caligari“ oder Tourneurs Klassikern der Schwarzen Serie „Out of the Past“ (Goldenes Gift, 1947) und „Catpeople“ (1942). Aber vor allem ist es ein hoch spannender Film mit viel Gänsehaut-Potential. Leonardo DiCaprio überzeugt als mittlerweile gereifter Charakterdarsteller, seinem Getriebenen nimmt man viel ab. Nach „Gangs of New York“, „The Aviator“ und „The Departed“ ist dies der vierte gemeinsame Film von DiCaprio und Scorsese. Der Thriller nach dem Roman von Dennis Lehane packt von Anfang an mit drohender Musik und einem heftigen Sturm. Die Gestalten der Anstalt können einem auch beim bloßen Anblick Angst machen, da bedarf es gar nicht mehr der rätselhaften Andeutungen eines Max von Sydow. Am Ende bleibt eine aufrechte Verteidigung des Wahnsinns gegenüber der Vernunft. Und die Frage, ob nicht doch etwas dran ist, an der großen Verschwörung.

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