6.1.10

Die Schachspielerin


Frankreich, BRD 2009 (Joueuse) Regie: Caroline Bottaro mit Sandrine Bonnaire, Kevin Kline, Francis Renaud, Jennifer Beals 97 Min.

Sandrine Bonnaire ist „Die Schachspielerin“ erst am Ende des Films. Sie beginnt als Hélène, als bescheidene Frau mit einer stillen Anmut, als Putzfrau auf Korsika, die hart arbeitet, um ihrer Tochter eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Beim Bettenmachen im Hotel beobachtet sie ein Paar beim Schachspiel, ein intimer, erotischer und geheimnisvoller Moment. Fasziniert lernt sie nächtens die Figuren und Regeln. Das Schachspiel gewinnt durch die Musik von Nicola Piovani etwas Magisches. Die Rückblenden auf die initiale Situation fügen überraschenderweise sogar Erotik hinzu. Hélène wird mehr und mehr besessen vom Schach, spielt immer und überall, auf den schwarz-weißen Kacheln des Hotels, mit Brotkrumen im Restaurant, was für eine lustige Einlage sorgt, wenn der Ehemann unwissentlich den König verspeist.
Die aus Deutschland stammende Regisseurin Caroline Bottaro beobachtet in der Verfilmung des Romans von Bertina Henrichs sorgfältig die Entwicklung von Hélène. Sie findet größtenteils im Gesicht und in der Haltung der Sandrine Bonnaire statt. Dabei öffnet sich mit zunehmender Emanzipation der Schachspielerin auch die korsische Landschaft, sprich die Welt für die „einfache Frau“ Hélène. Diese Entwicklung kann man sogar einem Star wie Bonnaire abnehmen, ebenso ihr Verletzung durch die arrogante Haltung vieler Männer gegenüber einer „Putzfrau“. Ein großes Vergnügen bereit in diesem gelungenen Debüt von Bottaro auch Kevin Kline als mürrischer Dr. Kröger, der Hélène Schachunterricht gibt. Bei ihm bekommt die Schachuhr als Symbol der zu rasch verfließenden Lebenszeit eine besondere Bedeutung.