26.1.10

Die Affäre


Frankreich 2009 (Partir) Regie: Catherine Corsini mit Kristin Scott Thomas, Sergi Lopez, Yvan Attal 85 Min.

Großartige Filme können so einfach funktionieren: Eine Liebe, eine Leidenschaft. Ganz einfach. Was die wohlhabende Ehefrau und Mutter Suzanne (Kristin Scott Thomas) für den spanischen Handwerker Ivan (Sergi Lopez) empfindet, sprengt ihre Ehe und den bürgerlichen Rahmen in Südfrankreich. Kurz kämpft die 40-jährige Susanne gegen ihre Gefühle, dann verlässt sie Mann und Heim. Der schlägt mit all seiner materiellen Macht und seinen Beziehungen zurück. Ivan wird arbeitslos, Suzanne bekommt ihr Vermögen gesperrt und die Scheidung zieht sich hin. Das einfache Glück der neuen Liebe ist bedroht und muss sich materiellen Herausforderungen stellen…

Die ganze Affäre, oder der lange Prozess des Verlassens („Partir“ heißt der Film im Original), dauert ohne Vorspann und Endtitel keine 80 Minuten, bei denen jede einzelne Szene packend gelang. Nur selten setzt Musik ein, aber dann wirken die Stücke umso stärker. Das Schauspiel konzentriert sich auf Kristin Scott Thomas („Der englische Patient“), ihre eigentlich zerbrechliche Figur Suzanne wird von Leidenschaft und Sehnsucht in einem Maße getrieben, welches man ihr kaum zutraut oder zumuten will. Sergi Lopez ist wieder einmal Latin Lover, die stoische Variante (siehe bei Coixet in „Map of the Sounds of Tokyo“). Yvan Attal steht das eiskalte Ekelpaket gut, der Schwächling, der sich verzweifelt an den Familienschein klammern muss, auch wenn er dabei seine Frau nur sediert beschlafen kann.

Catherine Corsini  („Les amoureux“, „La nouvelle Eve“) stellt das Gefühlsgeschäft ebenso kalt aus wie Fassbinder bei „Martha“, oder genauer: Es ist da einer im Spiel, der Liebe mit all seiner (Ohn-) Macht erkaufen will. Dem kapitalistischen Tauschhandel steht eine Leidenschaft entgegen, die romantisch in die freie Natur flieht, die sich selber genügt. Aber vom Noch-Ehemann auf eine brutale Probe gestellt wird. Die Handlung entwickelt sich sicher und scheinbar selbstverständlich einen Schritt nach dem anderen. Und am Ende steht ein unfassbares Drama. Oder eigentlich schon am Anfang, aber da verheimlich der Film noch, was der Schuss in der Nacht bedeutet. Wer meint, er mag keine französischen Filme, sollte sich mit diesem auf die Probe stellen.

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